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1 Kommentar(e) zu »tumor linguae«

lyrikkabinett | 13/10/2016 15:53

von Michael Braun

»Ich habe mit dem Tod geredet, und er hat mir versichert, es gebe weiter nichts als ihn.« Dieser Satz Jean Pauls kommt einem in den Sinn, wenn man sich den düsteren, die Schmerzzonen des Lebens ausleuchtenden Gedichten des polnischen Lyrikers Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki widmet. »Tumor linguae«, die Wucherung der Sprache, sie führt ins Elementare, zum Kern unserer Existenz, wo alle Illusionen zerfallen sind und wir in das Kraftfeld des Todes geraten. Diese Gedichte sprechen von den Versehrungen des Körpers und der Seele – und verbinden sich dennoch zu einem ergreifenden Gesang des Lebens: »schizophrenie ist ein haus / gottes seit ich erkrankte / vielfach und erwachte / im fieber der liebe«. Die »Lieder aus Notwehr« beschwören in der Art einer Litanei die Krankheit der Mutter, den Krebstod des Lebensgefährten, sie locken uns an Orte, wo der Schrecken wohnt. Für die Liedhaftigkeit dieser todessüchtigen Verse haben Michael Zgodzay und Uljana Wolf in ihrer Übersetzung überzeugende Lösungen gefunden.

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