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1 Kommentar(e) zu »Yennecott«

lyrikkabinett | 30/11/2016 08:13

von Holger Pils

»Yennecott / nannten die Corchaug / diesen Ort«. Jeffrey Yang ergründet in der amerikanischen Tradition des Langgedichts die Geschichte eines Gebietes auf Long Island, das zunächst nur als Name existiert: Yennecott, Bezeichnung der indianischen Bewohner, mit ihnen ausgerottet. Hier kommt der Sprechende mit den wohlhabenden Erholungssuchenden an: Ferien, freie Zeit, Lockerung, Öffnung der Wahrnehmung; verschlungene Pfade durch dickes Grün locken jenseits des akkurat gemähten Rasens hinter der Blockhütte. Und das Meer: »Eben noch im Binnenland / mit einem Mal von Meer / umgeben / Licht // lockt / Vergangenes hervor am / Vergessen vorbei«. Plötzlich beginnt der Ort vor Geschichte zu vibrieren: Ein Strom von Informationen ergießt sich über den Suchenden. Yang montiert historische Zeugnisse, Impressionen, Erinnerungen, Dichterworte zu einer suggestiven, episch schweifenden, alternativen Geschichtsschreibung. Alternativ durch die poetische Kraft der Vergegenwärtigung des Ungleichzeitigen, eine Gegenerzählung vom amerikanischen Traum und Trauma. Er reiht, bricht, rhythmisiert, überblendet, schneidet seine Quellen gegeneinander, bringt sie gemeinsam zum Klingen. Ein radikales, eigenwilliges poetisches Verfahren zum Staunen – in der schönen zweisprachigen, von Beatrice Faßbender besorgten Ausgabe.

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