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2 Kommentar(e) zu »Zum Begreifen nah«

lyrikkabinett | 01/07/2016 13:40

von Florian Kessler

Ein unglaublich freies Buch – voll von einer sehr speziellen Art von Freiheit, die dem Kritiker, der wie die Dichterin Julia Trompeter Anfang der 80er Jahre in Westdeutschland geboren ist, »bundesrepublikanisch« vorkommt. Wie im – nur ganz selten als nervig stickig wahrgenommenen – Windschatten der Geschichte und aller klirrend forcierten Avantgarden nämlich befindet man sich in diesem Band noch einmal in großer Wärme und Sicherheit und kann so, in weichen, kleinen, im Wortsinn komischen Gedichtnotizen ganz gelöst, allen nur möglichen Ideen und Stimmungen nachtasten. »Ja wie soll ich das alles / nur schaffen, schaffen, / immer nur Schaffen, Schaffen, / auf Schaf fellen schlafen: / Das wäre was, wäre doch etwas, / das taugt.« – Diese so selbstsicher übersprudelnden, unverkrampft sprachverspielten, jauchzend gefühligen Gesänge machen ihrem Titel alle Ehre. »›völlixt‹ entspannt« rücken sie einem wirklich »zum Begreifen nah«.

LiteraturhausLyrik | 21/03/2016 10:51

von Madita Oeming, Literarisches Zentrum Göttingen

Julia Trompeter schafft mit Zum Begreifen nah (Schöffling 2016) einen inhaltlich wie formell erfrischend ungezwungenen Lyrikband. Auf 109 Seiten reichen in sechs Teilen knapp 70 Gedichte von 5-zeilig bis 6-strophig; springen mühe- und meist reimlos zwischen Anglizismen und klassischem Duktus hin und her; spielen mit Typographie, bis sie zu konkreter Poesie werden; zitieren Lacan, Jandl und Tom Waits. Es herrscht in ihnen eine gnadenlose Demokratie der zum Begreifen nahen Gegenstände, bei der Fußball auf Augenhöhe mit Ophelia steht, die Katharsis mit dem Zwölffingerdarm, Kirchenmusik mit Tocotronic, Bochum mit Berlin.
Zwischen dem >lispelnden Meer< und dem >analysierten Brautstrauß< wird es sprachlich nie langweilig; erst recht nicht, wenn der >Schritthmus< stets wechselt, man sich >Treibhausgedanken< hingibt, zu >mayröckern< beginnt und alles aus der >Haifischperspektive< bestaunt. Eines der lyrischen Ichs definiert Poesie als >die Beschreibung von etwas mit anderen Worten, die sich in der Kombination zueinander verändern und dadurch lesbar werden und lebbar< – genau das gelingt Trompeter hier Gedicht für Gedicht. Spätestens, wenn die Markise mit einem lauten >O oo O OO o Oo Ooo o O< ausfährt, muss man dieses Buch einfach lieben. Um es mit einer seiner eigenen Wortschöpfungen zu beschreiben: es ist >granatensanft< .
Im Juni 2016 wird Trompeter beim »Poetree«, Göttingens stadteigenem Open-Air-Lyrikfestival, zusammen mit Xaver Römer mit ihren >Sprechduetten< auftreten.

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