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1 Kommentar(e) zu »Hold Your Own«

lyrikkabinett | 30/09/2016 15:05

von Florian Kessler

»Hold Your Own« ist eine körperliche, gegen die Festschreibungen des eigenes Körpers revoltierende Geschichte des Sehers Teiresias: Von den Göttern dazu verurteilt, sieben Jahre als Frau zu leben, später vor ein Göttergericht gezerrt, um darüber zu entscheiden, ob Männer oder Frauen die größere geschlechtliche Lust empfinden, für seine Entscheidung ein weiteres Mal gestraft und mit Blindheit geschlagen. »Hold Your Own«, das sind Gedichte der 1985 geborenen Britin Kate Tempest, deren große Musik-Alben und Spoken-Word-Auftritte in den letzten Jahren Dichtung immer wieder hautnah und körperlich erfahrbar machten. »Hold Your Own«, das heißt in Johanna Wanges sehr angemessen geradliniger Übersetzung einmal schlicht: »Sich zu behaupten«. Behauptet werden in diesem Band in immer neuen Bildern und Verwandlungen im Wortsinn diverse Entwürfe von Körperlichkeit und selbstbestimmtem Leben. Die Bilder strömen von einem blinden Seher aus, sie zeigen lauter Unmöglichkeiten, die man früher Utopien genannt hätte. Die deutsche Übersetzung entrückt und entkörperlicht die Verse stärker als Tempests raues Englisch, sie ringt aber ebenso heftig und wahrhaft politisch um nicht weniger als das gute Leben.

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