Prachtvolle Mitternacht - Ron Winkler

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Der neue Gedichtband von Ron Winkler beginnt mit einem Abgesang, einer Totalverweigerung, einem Boykott: »nicht mehr teilnehmen (...) nicht mehr Buchstaben zu etwas Aufgesplissenem ordnen. (...) nicht mehr an sich selbst // schreiben. Oder anderen // jene neunzehnsilbigen Kosenamen ins Ohr flüstern, die nackt // machen, wenn man sie sagt.«Um sich im Anschluss umso leidenschaftlicher in Buchstaben und Kosenamen, in »Zahlen und Figuren« zu stürzen. Das jedoch tut er stets mit ironischer Distanz: »ist eine Rose // und also mehr als eine Rose // und also zugleich keine Rose mehr. Nicht mehr. Und auch: nie // mehr: nie mehr // nicht.« Ron Winkler ist bewundert worden für seine »poetische Wandlungsfähigkeit« (Michael Braun). Waren seine letzten beiden Gedichtbände »Fragmentierte Gewässer« und »Frenetische Stille« voller geschichtsphilosophischer Anspielungen und naturlyrische Auskundschaftungen jenseits der Idyllik, wird er nun, ja, zum Minnesänger: »ich machte dir weiter den Hof, die Stirn, ich // machte dir die Wellen«; Winkler erzählt, so mag man Roland Barthes variieren, von der Defragmentierung einer Sprache der Liebe. Da darf Venedig nicht fehlen: Hier bewegen sich ein Ich und ein Du wie träumerisch durch die Stadt und die Begriffe, die mit ihr verwoben sind.

Zum Autor

Ron Winkler, geboren 1973 in Jena, lebt in Berlin. Er veröffentlichte bisher drei Gedichtbände, einen Kurzprosaband sowieals Herausgeber mehrere Lyrik-Anthologien. 2005 erhielt er den Leonce-und-Lena-Preis, 2006 den Mondseer Lyrikpreis. Zuletzt wurde er 2012 mit dem Stipendium des Rainer-Malkowski-Preises ausgezeichnet.www.ronwinkler.de

Prachtvolle Mitternacht

von Ron Winkler


Lyrik/Dramatik/Essays

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Deutsch
Hardcover, 99 Seiten
Schoeffling + Co.,
8/2013
ISBN:9783895612169


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Kommentare: 1

DasGedicht | 08/08/2014 18:30

»Prachtvolle Mitternacht« (Schöffling & Co. 2013) – wer die Droge dieser Gedichte zu sich nimmt, wird ihren narkotischen Sog, den heitermelancholischen Bann nie verlassen können: »in der Salbung genannten Nacht. blau / und silbern schlägt sie auf unsere Augen hernieder. / und so versprechen wir gern, / aus unseren Mördern niemals wieder / Herzen zu machen« (Winkler: Gesang der Feen).

Ron Winkler (geb. 1973) lebt in Berlin und legte letztes Jahr mit »Prachtvolle Mitternacht« seinen zehnten Gedichtband vor. Neben Übersetzungen aus dem Amerikanischen von z. B. Jeffrey McDaniel oder David Lerner, war der Leonce-und-Lena-Preisträger (2005) auch als Herausgeber aktiv und hat in dieser Funktion z. B. die kokainhaltige Anthologie »Schneegedichte« (2011) dem Publikum übergeben. Zahlreiche seiner Gedichte sind in anregenden Kooperationen vertont worden wie auch viele seine Bücher mit coolen Illustrationen ausgestattet sind.

Sein neuer Band hat einen günstigen Stern im funkelnden Mirakel des Firmaments. »Prachtvolle Mitternacht« – ist das eine Hommage an Durs Grünbein (»Erklärte Nacht«, Suhrkamp 2002), über den Ron Winkler so viel schon nachgedacht hat? Durs Grünbein hat seine Wurzeln im sächsischen Dresden; Ron Winkler im nicht weit entfernten thüringischen Jena. Es ist jener Teil Deutschlands, der sowohl vom klassischen Erbe als auch von der Romantik tief geprägt worden ist. Beide Lyriker entspringen also diesem sonderbaren Terrain, auf dem sich Metaphern einer tröstenden Antike mit dem sphinxartigen Luxus des Pfaus und der silbererzen-lüsternen Romantik der Kolchose vermengten, um die eigenwilligsten Kreaturen hervorzubringen, die man sich vorstellen kann: »der junge Kustos im Kahnbett – // mit einer PVC-Fernmeldepeitsche / justierte er das Programm // von seinem Lager aus, am Fußende der Junost der Begierde / aus Technograd« (Winkler: Erinnerungen auf Basis des bisher geleisteten Vergessens).

Die Differenz jedoch zwischen Durs Grünbein und Ron Winkler ist keineswegs lediglich eine generationelle oder motivische Differenz; sie ist eine tiefgehende Differenz in der Natur des poetischen Zugangs zur Wirklichkeit. Denn Ron Winkler hat einen unverwechselbaren Gestus geschaffen, eine Bewegung, Regung und Erregung des Subjekts in der Sprache; dieser Gestus ist nicht nur von ästhetischer Art, sondern auch durchdrungen von einer moralischen und existenziellen Energie, die sowohl die Hochgefühle der Liebe befeuert wie auch das Sich-Verlieren im Abgrund der Erkenntnis, der Erinnerung und der Selbsterkundung: »mir fehlt die Tonleiter, um von diesem Baum // zu ernten // dafür kann ich achtzig Mal // pro Minute ehrenhaft zwinkern. // ein Erbe // der Kindheit« (Winkler: Gedanken des Piloten bei eingeschaltetem Autopilot).

Mehr unter: http://www.dasgedichtblog.de/prachtvolle-mitternacht-von-ron-winkler/2014/07/28/ ...

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