Die Familie - Jin Ba

Zum Buch

Ba Jin erzählt die Chronik der Gaos, den Zerfall einer vier Generationen umfassenden feudalen Großfamilie im China der zwanziger Jahre. Unter dem despotischen Regiment eines Greises scheint das Familienleben im alten konfuzianischen Trott zu laufen: man hält das System eingräglicher Zwangsehen ebenso hoch wie das Schöheitsideal der eingebundenen Mädchenfüße, die 'Kindespietät' gegenüber der älteren Generation, den Verkauf von Haussklavinnen und Nebenfrauen. Aber die Welle des nationalen Aufbruchs und der Erneuerung, ausgelöst durch die Studentenrebellion des 4. Mai 1919, macht vor den Toren der Gaoschen Residenz nicht halt. Angeführt von dem achtzehnjährigen Studenten Juehui, der sich 'sittenwidrig' in eine Haussklavin verliebt, versucht die jüngere Generation ihre Träume, ihre Bedürfnisse nach Liebe, Glück und Wahrhaftigkeit zu verwirklichen. 'Wir sind jung, sind weder verschroben noch dumm, wir müssen für unser eigenes Glück kämpfen', mit diesem Turgenjew-Zitat spornt Ba Jins Held zm Ausbruch aus dem 'Familienkerker' an. Dieser Kampf erfordert Opfer. Drei der vier weiblichen Hauptpersonen des Romans gehen in der stickigen Atmosphäre konfuzianischer Moralvorstellungen zugrunde. Nur Qin, die nach dem Erscheinen des Romans im Jahre 1931 einer ganzen Generation selbstbewußter Chinesinnen zum Vorbild wurde, kann sich behaupten.

Zum Autor

Ba Jin, 1904 als Li Feigan in Chengdu, Provinz Sichuan, geboren, gilt als 'westlichster' der modernen chinesischen Schriftsteller. Sein zwanzig Romane, zahlreiche Erzählungen, Essays und Übersetzungen europäischer Literatur (u.a. Turgenjew, Gorki, Herzen, Storm) umfassendes Werk stellte er unter die Worte Dantons: 'Mut, Mut und nochmals Mut!' Sein berühmtester und populärster Roman 'Die Familie' (1931) ist ein autobiographisches Zeugnis seiner Rebellion gegen die eigene Großfamilie. Bahnbrechned für die Entwicklung des modernen chinesischen Romans beschreibt Ba Jin die Personen von innen her, von ihren subjektiven Bedürfnissen, Ängsten, Sehnsüchten. Im Kampf gegen die Japaner und beim Aufbau des neuen China übernahm Ba Jin wichtige kulturpolitische Aufgaben. 1966-78 erhielt er, gebrandmarkt als 'Ahnherr des Anarchismus', Berufsverbot. Gegen Ende seines Leben rehabilitiert, war er Vorsitzender des chinesischen PEN-Clubs.

Die Familie

von Jin Ba

übersetzt von Reissinger Florian


Romane/Erzählungen

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Deutsch
Taschenbuch, 440 Seiten
Oberbaum via Calle Arco,
1980
ISBN:9783876281674


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Kommentare: 1

Wiedererweckte | 15/05/2014 16:00

CALLE ARCO dankt allen Beteiligten und möchte hier von der Geschichte dieser Wiedererweckung erzählen. Der Anstoß kam von einer Leserin aus Bayern. Sie schrieb als Grund für ihre Buchpatenschaft: „Hätte ich am Ende meines ersten Studienjahrs dieses Buch nicht gelesen, hätte ich wohl das Fach gewechselt. Darum hat dieses Buch einen ganz persönlichen Wert für mich.“ Die Buchpatin hatte den Roman in der deutschen Übersetzung von Florian Reissinger gelesen, die vor 35 Jahren erschienen war. Den Verlag gibt es nicht mehr, der Verleger ist verstorben. Ein anderer Verlag hatte in den 1990er Jahren eine Taschenbuchlizenz vertrieben, doch auch diese ist vergriffen. Die Urheberrechte waren vermutlich an Autor und Übersetzer zurückgefallen. Obwohl der Übersetzer Florian Reissinger ein bekannter Dolmetscher und Chinaexperte ist, konnte er selbst über Internetrecherche nicht direkt ausfindig gemacht werden. Ein Journalistenverband sowie die Konrad Adenauer Stiftung, für deren Veranstaltungen mit hochrangigen Politikern Reissinger immer wieder dolmetscht, half den Kontakt herzustellen. Florian Reissinger war schnell zu begeistern für die Wiederauflage seiner Übersetzung. Doch er besaß nur die Übersetzerrechte und hatte keinerlei Verbindung zum Autor mehr, der 2005 in China verstorben war. Als Literaturagent für russische Buchrechte kannte Thomas Wiedling, zugleich Gründer von CALLE ARCO, eine Kontaktperson bei der staatlichen chinesischen Copyright-Agentur. Die Kommunikation lief auf Russisch in einer Unzahl emails, bis der chinesischen Agentur das neuartige Konzept solcher wiedererweckten Sonderausgaben verständlich und plausibel war. Erst dann konnte der chinesische Staatsverlag, bei dem die Originalrechte lagen, von dem eigenwilligen Projekt überzeug werden. Dieser wiederum mußte dann noch das Einverständnis der Witwe von Ba Jin einholen. Wochen vergingen, bis bei CALLE ARCO in München ein Kuvert mit dem Lizenzvertrag eintraf, den chinesische Schriftzeichen und ein malerischer roter Stempel besiegelten. Florian Reissinger, oft auf Reisen, mußte dann Freunde darum bitten, aus seinem Archiv zuhaus sein unangetastetes Belegexemplar der alten deutschen Erstausgabe herauszusuchen und ihm zu schicken. Er wollte es sich nicht nehmen lassen, das Exemplar bei einem Kurzaufenthalt in Berlin persönlich dort in der Partnerdruckerei von CALLE ARCO abzugeben, wo es eingescannt werden mußte, weil nirgends eine druckfertige Vorlage existierte. Inzwischen hatte auch Prof. Dr. Wolfgang Kubin die freundliche Genehmigung erteilt sein Nachwort wieder mit abzudrucken. Kubin war dem Autor Ba Jin vor seinem Tod noch persönlich begegnet. Ein Satzstudio in München richtete die Druckvorlage ein. Nicht nur der Coverentwurf für die Standard-Klappenbroschur dieses Titels wie der gesamten Serie bei CALLE ARCO kam von einem in Verlagskreisen bekannten Grafiker. Auch das eigene virtuelle Buchregal, auf dem Ba Jins Roman bei CALLE ARCO steht, ziert seine Grafik. Die Partnerdruckerei von Calle Arco in Berlin produziert seitdem auf Einzelbestellung den Roman im hochwertigen Digitaldruck und sorgt für reibungslose Versandlogistik. Außerdem hat sie eine eigene Buchbindemeisterin, die bei einer Bestellung mit Veredelung das Buch von Hand mit einem vom Kunden gewählten edlen Einbandstoff, dem Lesebändchen und der in alten Bleisatzlettern aufgeprägten Widmung versieht. Viel Herzblut und Engagement ist nötig für eine Wiedererweckung. Der Buchpatin war ihr Lieblingsbuch mehr wert als nur der Mindestbetrag. Auch wenn es nicht umsonst geht, hinter diesen Buchpatenschaften steht bei allen Beteiligten weniger die Absicht Geld zu verdienen als der Wunsch, interessante Bücher, die ein längeres Leben verdient hätten, als ihnen bislang gegönnt war, dauerhaft in gedruckter Form verfügbar zu machen. ...

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