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24 Comment(s) of »Das Gedicht«

Wachtelzeit | 02/10/2016 21:42

Lieber Klaus –

und dann packt es dich plötzlich, also mich, mitten in all dem Schönefeld und stickige Luft und anonyme Gesichter und Getränkeautomaten und Codes und Dokumente und die Hoffnung auf Ankunft. Es packt mich, was ich da vor mir sehe, weil ich nicht die dümmliche Zeitschrift der Fluggesellschaft aufgeschlagen und nicht mit der Dame gesprochen habe, die meine halbe Armlehne in Beschlag nimmt und schnarcht, sondern Deinen Gedichtband – Gedichte! – Wachtelzeit, und da packt es mich eben, reißt mich mit, viel schneller und ehrlicher als der Rumpf der Maschine, der mich über den Kanal trägt, denn Dein Gedicht »Die Sieg« zeigt mir das Wasser und mich und zeigt mir den Lauf, den das Leben nimmt, meines und das des Menschen und des Flusses und des Menschen im Fluss seiner Zeit – in einer Klarheit, die uns eigentlich nie mehr vor Augen steht, weil wir immer nur auf Bildschirme starren, uns auf Bildschirme hinorientieren, wenn wir in unserem Raum sind, auch im Flugzeug, wenn in der Lehne des Vordersitzes ein Bildschirm hängt, als flössen wir darauf zu und darin ein, als wäre er die Mündung unseres Blicks.

Weiter lesen: http://www.dasgedichtblog.de/dichterbriefe-folge-13-die-sieg-als-fluss-des-lebens-christophe-fricker-schreibt-klaus-anders/2016/09/30/

Baradiesische Zeide | 13/08/2016 20:20

Manfred Kern ist ein Meister des mundartlichen Langgedichts in Franken. In seinen bis zu zehn Seiten langen Gedichten erzählt er meist wenig, aber lässt eine vor sich hin monologisierende authentische Person im Kopf der Leser entstehen.

Überwiegend sind es vereinsamte Männer, zuweilen auch Frauen mit dörflicher Herkunft, deren Verzweiflung Kerns Sprache Ausdruck verlieht. Die Länge der Monologe, die ständigen Wiederholungen verleihen den Gedichten nicht nur eine deutliche rhythmische Struktur, sie sind auch ein Abbild der Leere in Innern der Personen, Ausdruck ihres verfehlten Lebens.

Weiter lesen unter: http://www.dasgedichtblog.de/baradiesischi-zeide-gedichte-von-manfred-kern/2016/08/16/

Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her | 07/10/2015 17:00

Autoren, die Kindergedichte veröffentlichen wollen, müssen sich heutzutage auf eine frustrierende Verlagssuche begeben und kommen, wenn überhaupt, mit ihrem Manuskript höchstens bei einem Kleinverlag unter, der die Marktregeln noch nicht verinnerlicht hat. Demgegenüber erfreuen sich umfangreiche Anthologien mit Kindergedichten nach wie vor großer Beliebtheit. Dieser Widerspruch dürfte sich aus dem Besitzdenken der meist erwachsenen Buchkäufer erklären, die ihren familiären Bildungshaushalt noch mit klassischen Kindergedichten möblieren wollen. Wer aber – wie Uwe-Michael Gutzschhahn und die Verlagsgruppe Random House – eine schwergewichtige Sammlung mit keineswegs bildungsaffinen Nonsens-Reimen wagt, widersetzt sich solchen Erwartungen. Stattdessen begibt er sich in die Freiheit jener »Verrückten«, der Kinder wie der Erwachsenen, die gerne mit der Sprache spielen und absolut keine Neigung verspüren, Gedichte nach ihrem versteckten Sinn abzuklopfen.

Mehr lesen unter: http://www.dasgedichtblog.de/die-anarchische-welt-der-nonsens-poesie-zu-einer-neuen-anthologie-von-uwe-michael-gutzschhahn/2015/10/19/

Kalebasse | 07/10/2015 16:37

Lieber Jürgen,

der Götterschatz der Gegenwartssprache ist größer geworden durch einen Gedichtanfang: »Wo junge Türken arglos balgen«. Wunderbar! Deine Zeile ist so haarsträubend, dass der Maßstab der politischen Korrektheit sich kichernd abwendet. Und sie ist an eine so ungewöhnliche Perspektive gebunden, dass der Leser nur das Gutmütige an ihr sieht. Gesprochen wird sie nämlich von einem alten Raben, der »auf Stuttgarts Deponien« herunterschaut und auf einen Ort, wo einst der Galgen stand. Heute thront hier eine »Freizeitanlage«, auf der jene Jugendlichen zu Gange sind. Wo junge Türken arglos balgen und von einem Raben beäugt werden … Altersweise und nicht wirklich einer von uns ist das Tier, daher nimmt man ihm seine Gönnerhaftigkeit nicht übel. Zu schön ist ja auch das Wort »balgen«. Verschmitzt ist es – und das Verschmitzte ist selten geworden in der Lyrik und umso mehr willkommen.

Mehr lesen unter: http://www.dasgedichtblog.de/dichterbriefe-folge-2-baden-wuerttemberg-verschmitzt-christophe-fricker-schreibt-juergen-egyptien/2015/11/01/

chronos krumlov | 17/09/2015 20:52

Lieber Harry,

»Ich bin ein Wanderer« mag über einem Teil der unermesslichen Welt der Dichtung als Leitwort stehen, auf Deutsch und als Ausdruck jener so deutschen Mischung aus Selbstbewusstsein, Redefreude, Abschiedsschmerz und Aufbruchsstimmung, die das Rimbaud’sche Urwort der Moderne, »Ich bin ein Anderer«, in die äußere, wirkliche Welt zurückwendet – in jene Welt, aus deren Kleinstadtvorrat Du uns einen Ausschnitt vorführst, den Du erwandert und bedichtet hast: Český Krumlov, Krumau in Tschechien, wo Du hinzogst und einzogst und durchaus ankamst, ohne aber je lange bleiben zu wollen. Diesem Ort ist Dein Buch chronos krumlov gewidmet, das ich gerade gelesen habe.

Der Unterwegsdichter Wulf Kirsten hat das Vorwort geschrieben. Ich fragte ihn mal, ob ein Dorf, von dem er gerade erzählte, weit von seinem Wohnort Weimar entfernt sei. Ja, sagte er, doch seine Frau widersprach. Doch, sagte er, es ist weit – »für einen Spaziergänger ist es weit.« Wulf Kirsten ist ein Spaziergänger, und wer weit spaziert, wird Wanderer, wie Du. »Auf, auf nach Český Krumlov!«, ruft Wulf Kirsten den Lesern zu, und ich zumindest folge ihm gern und wandere in Dein Buch.

Mehr lesen unter: http://www.dasgedichtblog.de/dichterbriefe-folge-1-ich-bin-ein-wanderer-christophe-fricker-schreibt-harry-oberlaender/2015/10/01/

Meer-Maid | 19/07/2015 13:03

Vergangenen Januar ist im Schweizer Verlag Wolfbach der erste Gedichtband der jungen Lyrikerin, Slam-Poetin und Performance-Literatin Franziska Ruprecht erschienen. Das Cover der Broschur springt mit starken Kontrasten ins Auge: schwarze Schrift auf weißem Untergrund und ein Portrait der Autorin in magentafarbenen Konturen. Auch wenn mit die aktuelle gleichzeitig ihre erste Publikation ist: Franziska Ruprecht ist gewiss kein unbeschriebenes Blatt. Seit Januar 2002 hat die studierte Wortkünstlerin in vielerlei Zeitungen, Zeitschriften und Online publiziert. Da scheint ein erster Gedichtband dreizehn Jahre nach ersten Veröffentlichungen ein überfälliger Schritt zu sein. Wie kommt das? Möglicherweise, da sich Ruprecht vor allem als Performance Poetin versteht und Performance benötigt eine Sache ganz besonders: eine Bühne! Umso spannender nun zu prüfen, wie sich eine hingebungsvolle Bühnenkünstlerin auf dem Papier ihrem Publikum stellt.

Im Titel »Meer-Maid« versteckt sich bereits ein kleines Wortspiel. Die englische Mermaid (Meerjungfrau) verschwägert sich mit dem deutschen Meer und einer Maid, also einem Mädchen oder einer jungen Frau. Die drei Kapitel des Bandes sind betitelt mit »Mehrmänner«, »Fabelfrau« und »Zuvielland«. Mit diesen vier Begriffen präsentiert sich dem Leser bereits das Programm des Bandes, dessen Leitfigur und gleichzeitig das lyrische Ich eben jene junge Frau aus dem Titel ist.

Mehr lesen: http://www.dasgedichtblog.de/meer-maid-von-franziska-ruprecht/2015/07/21/

Gedichte für Reisende | 29/03/2015 19:53

Unter dem Versmotto »Hast du dies Buch in deiner Hand: / Hurra! Dann geht’s ins Ferienland!« haben Anton G. Leitner und Gabriele Trinckler ihre neue Sammlung im deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) zusammengestellt. „Gedichte für Reisende“ heißt die Anthologie und sie enthält eine Reihe von zeitgenössischen Gedichten, von denen viele zum ersten Mal in der Zeitschrift DAS GEDICHT Bd. 21 (»Pegasus & Rosinante. Wenn Poeten reisen«) erschienen sind. Zu den lebenden Dichtern gesellt sich jetzt auch lebendige Reisepoesie von Klassikern der Literaturgeschichte. Ihre Verse erzählen vom Unterwegssein, vom Aufbruch und Ankommen, unvergesslichen Eindrücken, aber auch von unliebsamen Überraschungen. Das Buch im kompakten Format passt in jede Reisetasche oder Kulturbeutel und kann auf der Fernreise wie auf Balkonien für Entspannung sorgen oder Urlaubsfeeling aufkommen lassen.

Video-Rezension ansehen unter http://www.dasgedichtblog.de/frisch-auf-leitners-schreibtisch-gedichte-fuer-reisende/2015/04/01/

Und hab am Gras mein Leben gemessen | 23/03/2015 19:10

Der Kuss der Morgenröte: Zur poetischen Bild-Kunst von Johannes Kühn
von Oliver Ruf

Man kennt Johannes Kühn im Alten Schloss Dillingen, ein mittelalterliches Schmuckstück, das hier, nahe des Hüttenwerkes und damit in der Nähe von Roheisenproduktion und Grobblechherstellung wie eine Insel im Meer der saarländischen Industriekultur erscheint. Die Gäste sind noch nicht alle anwesend, doch immer mehr Eingeladene füllen die festlichen Räume, worüber der an diesem Tag zu Ehrende wie jedes Mal, wenn ihm eine solche Ehrung wiederfährt, geradezu ungläubig staunen muss. Sein 80. Geburtstag soll begangen werden und gleichzeitig eine Ausstellung mit seinen Zeichnungen eröffnet werden: Ausgerechnet Zeichnungen! Dabei ist er doch einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker der Gegenwart. Dass dies aber kein Zufall, sondern eine viel sagende Konsequenz bedeutet, das wird sich in den nächsten Stunden erweisen, wenn der Künstler Francis Berrar, der die Schau kuratiert hat, in sein zeichnerisches Werk einführt und ebenso, wenn Ulrich Commerçon, Minister für Bildung und Kultur im Bundesland Saarland, das Grußwort spricht. Der Zusammenhang zwischen dem bildenden oder besser: dem bildnerischen Künstler und dem lyrischen Autor, dem Dichter Johannes Kühn wird ebenfalls Thema meiner eigenen Festrede auf ihn sein, der ich den Titel »Die Kraft der Bilder« gegeben habe.

Mehr lesen unter: http://www.dasgedichtblog.de/der-kuss-der-morgenroete-zur-poetischen-bild-kunst-von-johannes-kuehn/2015/04/02/

Schweini blutet - Deutschland tutet | 13/12/2014 13:03

Schweini blutet – Deutschland tutet! Als Mittelstürmer der Dichterelf von dasgedichtblog.de hat der Bremer Schriftsteller und Rundfunkmann Michael Augustin im Sommer 2014 viele Spiele der Fußballweltmeisterschaft nahezu in Echtzeit lyrisch kommentiert. 11 fußballbegeisterte Dichter wie er sorgten dafür, dass tausende von ballliebenden Poesiefreunden dasgedichtblog.de besuchten, um sich regelmäßig über den lyrischen Stand der WM zu unterrichten. Jetzt versammelt Augustin im Verlag DIE WERKSTATT 44 seiner WM-Blog-Gedichte in einem eigenen, bibliophil gestalteten Band. Eine poetische Nachlese der Extraklasse zu einem lyrischen Fußballsommer, der Geschichte geschrieben hat. Ein Buch voller steiler Verspässe, das jeder geschenkt bekommen sollte, der gerne Bälle im Kopf spielt.

Zur Video-Rezension: http://www.dasgedichtblog.de/frisch-auf-leitners-schreibtisch-schweini-blutet-deutschland-tutet-von-michael-augustin/2014/12/19/

Verstand und Kürzungen | 28/11/2014 20:02

»Bewisperer von Gräsern und Nüssen«, nannte Gottfried Benn mit unnachahmlichem Spott vor mehr als 60 Jahren jene Generation von jungen Dichtern, die sich unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg zunächst dem Naturgedicht zuwandten. Darunter waren immerhin Namen wie Eich, Krolow, Huchel oder Bobrowski, die später zu prägnanten Figuren der deutschen Lyrik wurden. Und tatsächlich: In ihren frühen Gedichten tuteten die Rohrdommeln, es zilpzalpte in den Hecken, Schachtelhalme wogten sanft im Wind und Libellen standen überm Schilf. Es wäre aber Profanpsychologie, diese Gedichte nur als lyrischen Eskapismus zu bezeichnen, eine naturalistische Schockstarre angesichts der Schuld, die Deutsche mit der Entfesselung des Weltkriegs und dem Holocaust auf sich geladen hatten. Vielleicht war es eher ein Sichern der inneren und äußeren Bestände. Die große Zahl solcher Gedichte in der Nachkriegszeit war allerdings schon signifikant und veranlasste den Benn-Wiedergänger Peter Rühmkorf zu einem bissigen Kommentar über die »Anmut dürftiger Gebilde: / Kraut und Rüben gleich Gedicht.« Liest man viele dieser Gedichte heute, so haben sie zumeist etwas Starres, Lebloses an sich – wie vor langer Zeit gepresste Blumen in einem alten Biologiebuch.

Schaut man sich indes jetzt eine Auswahl aktueller Gedichtbände von zeitgenössischen Dichter und Dichterinnen an, weht einen unversehens eine Déjà-vu-Brise an. Man nehme nur einmal zwei Titel: Da werden »Skizzen vom Gras« gestrichelt und »Regentonnenvariationen« rhythmisiert. Damit wir uns verstehen: Das Besingen von Pflanzen und Tieren geschieht hier weitaus artistischer, virtuoser und gekonnter als vor 60 Jahren. Festzuhalten bleibt aber, dass Natur seit geraumer Zeit wieder ins Zentrum lyrischer Aufmerksamkeit rückt. Poetisches Guerilla-Gardening? Vielleicht. Silke Scheuermann und Jan Wagner, deren Bände ich hier repräsentativ genannt habe, sind ja nicht die Einzigen – Nico Bleutge, Anja Utler, Sabine Scho, die Aufzählung könnte beliebig fortgesetzt werden. Es mag auch hier um das Vergewissern innerer und äußerer Bestände gehen, die angesichts des Entstehens einer virtuellen Welt auf der roten Liste bedrohter Arten stehen. Aber das ist Spekulation.

Nun aber hagelt – um endlich einmal auf den Punkt zu kommen – ein neuer Gedichtband von Helmut Krausser dazwischen.

Mehr lesen: http://www.dasgedichtblog.de/jenseits-des-schrebergartens-helmut-kraussers-neuer-gedichtband-verstand-kuerzungen/2014/12/01/

Der Vollmond über Nämberch | 13/11/2014 19:34

Zum 70. Geburtstag des Schrifstellers Fitzgerald Kusz erscheint die 2. Auflage seines Gedichtbands »Der Vollmond über Nämberch«. DAS GEDICHT blog gratuliert herzlich!

http://www.dasgedichtblog.de/gratulation-fitzgerald-kusz-wird-70/2014/11/17/

Europas Dichter und der Erste Weltkrieg | 11/09/2014 17:51

Die Kulturbürger Europas sollen sich glücklich schätzen: Von 2014 und 2019 dürfen sie fünf Jahre lang schwarz tragen, denn fast jeden Tag fällt einer ihrer Lieblingsdichter zum 100. Mal auf das erinnerungsgetränkte Feld der Ehre, fünf Jahre lang heiterschaurige Denkmäler der Grausamkeit.

Geert Buelens präsentiert den Kriegskontinent Europa im Strudel seiner Widersprüche zwischen kosmopolitischer Vermischung der Mentalitäten und dem infantilen Chauvinismus der Nationalisten, zwischen globalem Dorf und nationalistischer Kloake.

Diese Spannung ist in den Lyrikern der Zeit selbst schon angelegt: in ihren hybriden Biographien wie bei dem germanophilen Briten Ford Maddox Hueffer (später: Ford; 1873–1939) mit seinem deutschen Vater sowie Guillaume Apollinaire (1880–1918), der Sohn einer russisch-polnischen Mutter und eines italienischen Offiziers.

Über Apollinaire schreibt der Literaturwissenschaftler Buelens: »Assimilation und Nationalitätenprobleme zogen sich wie ein roter Faden durch seine journalistische Arbeit«. Auch die Mitglieder in Apollinaires Kreis tragen Namen wie ein Europaparlament: Da sind beispielsweise die spanischen Kubisten Pablo Picasso und Juan Gris, der bretonische Malerpoet Max Jacob, ein ominöser Schweizer Maler und Abenteurer aus dem Kanton Neuenburg namens Blaise Cendrars sowie der italienische Futurist (und Futuristenkritiker) Ardengo Soffici.

Geert Buelens zeigt ein Mäandern und Ringen um Identität auf einem Kontinent, auf dem – auf Ebene des Staates wie auf der Ebene des Individuums – die nationale Frage keineswegs mehr so eindeutig ausfiel wie (vielleicht) während anderer Epochen.

»Europas Dichter und der Erste Weltkrieg« (Suhrkamp Verlag, 2014) von Geert Buelens ist keine öde Kulturgeschichte, sondern eine rezeptionsästhetische Achterbahnfahrt. Ein paar Worte zu Geert Buelens. Der Literaturwissenschaftler und Dichter selbst ist 1971 im belgischen Duffel geboren und lehrt an der Universität Utrecht den Niederländern deren eigene Literatur.

Sein Leben hat Buelens auch nach Südafrika und in die USA geführt, sodass er das Minenfeld europäischer Expansion ebenso kennt wie ihren seltsamen Zwiespalt zwischen Freiheit und Beherrschung: »Ihr Söhne wisset, wenn Gott es tut / Dann fallen Ketten von unsrem Fuß. / Bevor die Mannschaft ihr erreicht, / Großvaters Traum zur Erfüllung reift: Glücklich erblüht, von dem Kampfblut furchtbar, / die freie Flur unserer Heimat«, zitiert Buelens den polnischen Dichter Edward Jerzy Żuławski (1874–1915) im Sommer 1914.

Normalerweise sind Literaturgeschichten ermüdend, voll von wissendem Ressentiment und schrecklich defätistisch; aber das Werk von Geert Buelens ist aufregend; es ist eine packende »Schule der Unmoral« (Henri Bergson). »Europas Dichter und der Erste Weltkrieg« ist bereits 2008 erschienen bei Ambo|Anthos, Amsterdam, was mehr nach einem Fußball-Club klingt als nach einem renommierten Verlagshaus. Pünktlich zum Jahrhundertjubel der Kriegseuphorie hat es Waltraud Hüsmert für den Suhrkamp Verlag in sehr stilvolle und lesbare deutsche Prosa übersetzt.

Und liest es sich angesichts der jüngsten Ereignisse in der Ukraine nicht wie eine unheimliche Replik auf Vorweggenommenes? Können wir nicht mit den Augen der Dichter nicht nur Erinnerungskultur betreiben, sondern auch Vorstellungs- und Imaginationskultur?

Mehr unter: http://www.dasgedichtblog.de/europas-dichter-und-der-erste-weltkrieg-von-geert-buelens/2014/09/15/

Prachtvolle Mitternacht | 08/08/2014 18:30

»Prachtvolle Mitternacht« (Schöffling & Co. 2013) – wer die Droge dieser Gedichte zu sich nimmt, wird ihren narkotischen Sog, den heitermelancholischen Bann nie verlassen können: »in der Salbung genannten Nacht. blau / und silbern schlägt sie auf unsere Augen hernieder. / und so versprechen wir gern, / aus unseren Mördern niemals wieder / Herzen zu machen« (Winkler: Gesang der Feen).

Ron Winkler (geb. 1973) lebt in Berlin und legte letztes Jahr mit »Prachtvolle Mitternacht« seinen zehnten Gedichtband vor. Neben Übersetzungen aus dem Amerikanischen von z. B. Jeffrey McDaniel oder David Lerner, war der Leonce-und-Lena-Preisträger (2005) auch als Herausgeber aktiv und hat in dieser Funktion z. B. die kokainhaltige Anthologie »Schneegedichte« (2011) dem Publikum übergeben. Zahlreiche seiner Gedichte sind in anregenden Kooperationen vertont worden wie auch viele seine Bücher mit coolen Illustrationen ausgestattet sind.

Sein neuer Band hat einen günstigen Stern im funkelnden Mirakel des Firmaments. »Prachtvolle Mitternacht« – ist das eine Hommage an Durs Grünbein (»Erklärte Nacht«, Suhrkamp 2002), über den Ron Winkler so viel schon nachgedacht hat? Durs Grünbein hat seine Wurzeln im sächsischen Dresden; Ron Winkler im nicht weit entfernten thüringischen Jena. Es ist jener Teil Deutschlands, der sowohl vom klassischen Erbe als auch von der Romantik tief geprägt worden ist. Beide Lyriker entspringen also diesem sonderbaren Terrain, auf dem sich Metaphern einer tröstenden Antike mit dem sphinxartigen Luxus des Pfaus und der silbererzen-lüsternen Romantik der Kolchose vermengten, um die eigenwilligsten Kreaturen hervorzubringen, die man sich vorstellen kann: »der junge Kustos im Kahnbett – // mit einer PVC-Fernmeldepeitsche / justierte er das Programm // von seinem Lager aus, am Fußende der Junost der Begierde / aus Technograd« (Winkler: Erinnerungen auf Basis des bisher geleisteten Vergessens).

Die Differenz jedoch zwischen Durs Grünbein und Ron Winkler ist keineswegs lediglich eine generationelle oder motivische Differenz; sie ist eine tiefgehende Differenz in der Natur des poetischen Zugangs zur Wirklichkeit. Denn Ron Winkler hat einen unverwechselbaren Gestus geschaffen, eine Bewegung, Regung und Erregung des Subjekts in der Sprache; dieser Gestus ist nicht nur von ästhetischer Art, sondern auch durchdrungen von einer moralischen und existenziellen Energie, die sowohl die Hochgefühle der Liebe befeuert wie auch das Sich-Verlieren im Abgrund der Erkenntnis, der Erinnerung und der Selbsterkundung: »mir fehlt die Tonleiter, um von diesem Baum // zu ernten // dafür kann ich achtzig Mal // pro Minute ehrenhaft zwinkern. // ein Erbe // der Kindheit« (Winkler: Gedanken des Piloten bei eingeschaltetem Autopilot).

Mehr unter: http://www.dasgedichtblog.de/prachtvolle-mitternacht-von-ron-winkler/2014/07/28/

Vastehst me | 07/08/2014 18:59

Frisch auf Leitners Schreibtisch: »Vastehst me – Bairische Gedichte aus 40 Jahren«

Zur Video-Kritik auf DAS GEDICHT blog: http://www.dasgedichtblog.de/frisch-auf-leitners-schreibtisch-vastehst-me-bairische-gedichte-aus-40-jahren/2014/08/07/

Flügelwechsel | 30/06/2014 21:50

Der neue Gedichtband von Albert Ostermaier trägt den Titel »Flügelwechsel« (Insel Verlag 2014) und hat sogar Oliver Kahn dazu animiert ein Vorwort als Tribut an den Dichter zu verfassen. Aus der Feder des Schriftstellers wird der Fußball zu einem kosmischen Ereignis, ein Moment darin sämtliche Gesellschaftsspiele zusammenprallen mit dem Lauf des Universums. Den Sphärenklang dieser Konvergenz bestimmt Ostermaier als Ode, die poetische Urform für das Erhabene. Und die Oden an den großen Kahn verwandeln den Bolzplatz zum hermeneutischen Feld, darauf der Torwart zum Gatekeeper des Mysteriums des Willens, des Schicksals und des Unberechenbaren wird. »ist es für einen moment auch / könnte er doch verweilen als / wollte er die sonne aus ihrer / laufbahn fausten« (ode an kahn).

Aber die Oden gelten nicht nur dem Kahn, sondern greifen typologisch wie die mittelalterlichen Mysterienspiele zahlreiche komplexe Figuren des globalen Wettkampfs auf – wie zum Beispiel den tragischen Opfern der Geschichte (z.B. Julius Hirsch), dem Migranten auf der Suche nach einer Bestimmung (Burak Karan), des vielbewunderten Stehaufmännchens (Jorge Valdano) oder dem Individuum, das gegen ein Regime kämpft (Zahir Belounis) – und viele mehr.

Mehr unter: http://www.dasgedichtblog.de/fluegelwechsel-von-albert-ostermaier/2014/06/30/

oder wie heißt diese interplanetare Luft | 22/06/2014 12:02

Odile Kennel ist 1967 in Baden geboren und zweisprachig aufgewachsen. Das Deutsche wie das Französische ist ihr in die Wiege gelegt worden und doch scheint die Dichterin aus Brühl unablässig das Weite zu suchen mit Stationen in Tübingen, Lissabon, Bukarest, Dijon und schließlich Berlin, wo sie heute lebt. Ihr Oeuvre umfasst bisher eine Reihe vorzüglicher Übersetzungen aus dem Portugiesischen, Spanischen und dem Französischen – z. B. »Ich weiß nicht warum. Zeichnungen und Texte für Unica Zürn.« von Érica Zíngano (hochroth 2013), »Rilke Shake« von Angélica Freitas (Luxbooks, 2011). Außerdem ist ein Roman erhältlich, »Was Ida sagt« (dtv, 2011).

Ihr neuer Gedichtband trägt den Titel »oder wie heißt diese interplanetare Luft« (dtv, 2013) und ist ein Kunstwerk voller Unbehagen, zarter Innerlichkeit, einem Blick für die Zeichen der Zeit und getragen von dem Streben nach Glück. Odile Kennel beherrscht die seltsame Metaphysik, die das Diesseits liebt: »auf einmal, da war ich / an dieser Stelle aus meinem Leben / heraus, an dieser Stelle war / wenn man genau hinsah, nichts« (Kennel: & dann fang ich noch einmal mit der Zeile an).

Zielen diese Zeilen nicht auf die Grunderfahrung der Vielgewanderten: sämtlichen Zusammenhängen unwiederbringlich entfallen zu sein, fremdvertraut zu sein, zu fremdeln überall? Ist die Erfahrung »aus meinem Leben« zu sein und, wie Kennel oben schreibt, »auf einmal« nicht vielleicht eine Art condition humaine im 21. Jahrhundert mit seinen Billigflügen und seiner hedonistischen Expatriate-Romantik?

Doch Odile Kennel geht es um viel mehr; es geht ihr um den Wendekreis des Glücks – in einer Epoche, die auf Nostalgie, Melancholie, Luxus und Kontrolle temperiert ist.

Mehr unter: http://www.dasgedichtblog.de/oder-wie-heisst-diese-interplanetare-luft-von-odile-kennel/2014/06/16/

Pergamon Poems | 31/05/2014 19:25

»Die Hand ist ergänzt«. Gerhard Falkner lässt mit dieser schlichten restaurierungsgeschichtlichen Feststellung ein Poem einsetzen, das nichts weniger verhandelt als die Differenz zwischen Totalität und Fragment im kosmischen Sinne. Die »Pergamon Poems« (kookbooks, 2012) sind entstanden in Kooperation mit Videokünstlern (Constantin Lieb und Felix von Boehm), der Antikensammlung der staatlichen Museen Berlin und Mitglieder des Ensembles der Schaubühne Berlin. Damit ist noch nicht viel über das mehrteilige Poem gesagt, das auf eines der faszinierendsten Monumente der antiken Staatsreligionen rekurriert, den Pergamonaltar. Der Gedichtband liegt in der englischen Übersetzung von Mark Anderson zweisprachig vor.

Ich möchte in den Kreis von Falkners »Pergamon Poems« zwei Linien ziehen, die nichts weiter sind als mögliche Zugänge zu diesem Werk bzw. ein Versuch, das zu gliedern, was ich dazu bemerken möchte. Es wird dabei gehen um 1) Ergänzung und Erzeugung von Abwesendem sowie der Idee des Schönen sowie um 2) das Verhältnis vom Fragment zur Totalität.

Erzeugen im Ergänzen

Sie heißen »Poems«, nicht Pergamon-Gedichte/Verse/Gesänge. Die Titelwahl für diesen Gedichtband fiel auf einen gängigen Gräzismus, der aus dem Verb ποιεῖν (machen, bewirken etc.) gebildet wird. Soll uns der Titel schon die Ehrfurcht nehmen? Bleibt es bei jeglicher Kunst immer ein Mensch, der schafft, gleich wie monumental, aufregend, bezaubernd, einnehmend, faszinierend ihre Produkte sein mögen? Vielleicht nicht. Der Mensch mag ein Macher sein bzw. ein ›Poet‹ im arkadischen Sinne, doch sooft wir des Gemachten gegenwärtig sind, verblüfft es uns immer wieder, wozu doch dieser scheinbare Homunkulus fähig ist.

Die Idee der Schönheit spielt eine tragende Rolle in Falkners »Pergamon Poems«. Und in der Tat ist die gesamte Hingabe an die Antike (besonders seit dem 17. Jahrhundert) getragen von der Idee des Schönen. Und es war auch die moderne Literatur, die diese neoklassische Antikenvernarrtheit in der spätabendländischen Gefühlsökonomie geweckt und motiviert hat; es war die energetische Potenz der Literatur, die den Pergamonaltar nach Berlin geführt hatte. Diese Idee ist aber seither immerfort Fiktion; und doch entwickelt das Schöne in seiner Fiktionalität eine besondere Wirkmächtigkeit. Die »Pergamon Poems« sind aber mehr als eine Wiederaufnahme. Sie sind kein take two.

Mehr unter: http://www.dasgedichtblog.de/pergamon-poems-gerhard-falkner/2014/06/02/

WortBildKünstler | 28/04/2014 18:42

Ulrich Luckhardt (Hrsg.) »WortBildKünstler.
Von Goethe bis Ringelnatz.
Und Herta Müller«
von Paul-Henri Campbell

Der Hatje Cantz Verlag bestätigt seine unangefochtene Kompetenz bei komplexen Publikationsprojekten aufs Neue. In dem Band »WortBildKünstler. Von Goethe bis Ringelnatz. Und Herta Müller«, der als Katalog zu zwei Ausstellungen im Rahmen der Internationalen Tage Ingelheim und in den Lübecker Museen entstand, präsentiert der Verlag unter Herausgeberschaft von Ulrich Luckhardt einige anregende Stichproben von »künstlerischen Doppelbegabungen«.

Luckhardt stellt das Ausstellungskonzept in einen weiten kulturwissenschaftlichen Horizont. Fokussierte Künstlerbiographien zu Johann Wolfgang von Goethe, Justinus Kerner, Victor Hugo, George Sand, Hans Christian Andersen, Wilhelm Busch, Paul Scheerbart, Joachim Ringelnatz und Herta Müller erlauben eine knappe Einordnung der ausgewählten Dichter. Umfangreiche Essays zu jedem Schriftsteller flankieren Luckhardts Problemaufriss. Das Buch thematisiert die Genreüberschreitung, die Künstler eingehen, sooft sie von ihrer Kernbetätigung zu einer anderen übergehen: so erscheinen etwa der im Geist des Bauhaus und kubistisch arbeitende Maler Lyonel Feininger plötzlich als Komponist von Fugen für die Orgel oder Arnold Schönberg als Maler, der sich selbst als sein Lieblingsmotiv in zahlreichen Selbstbildnissen erkannte und damit in Münchener Ausstellungen des Blauen Reiters vertreten war. Komponisten, die sich in ungeahnter Farbigkeit ergehen; Maler, die die Sphärenharmonien ausloten; aber eben – und darauf liegt das Hauptaugenmerk – Dichter, die sich in Kreide- und Tuschezeichnungen, Aquarellen, Scherenschnitten, Collagen sowie Ölmalereien versuchen. Dass es sich bei diesen Bildnissen teilweise um »bürgerliche Privatvergnügungen« handeln könnte, stört hierbei wenig, da es um die Ein- und Rückwirkungen der expressiven Kräfte geht, die durch diese Grenzgänge im künstlerischen Genre freigesetzt werden.

Obwohl die Auswahl der aufgenommenen Schriftsteller nicht weiter begründet wird, ist sich der Herausgeber bewusst, dass es sich um ein bereits häufig thematisiertes Phänomen handelt. Außerdem weist er darauf hin, dass diese »Doppelbegabungen« sich im Surrealismus, DADA, aber auch der Konkreten Poesie zu einem Amalgam vereinigen, sodass eine hier vorgestellte Trennung teilweise aufgehoben wird. Nicht berücksichtigt sind auch künstlerische Kollaborationen zwischen bildenden Künstlern und Schriftstellern, wie sie sich in der zeitgenössischen Lyrik etwa bei Nora Gomringer und Reimar Limmer, Ann Cotten und Mareile Fellien, oder auch Andreas Reimann und Rainer Ilg finden, um nur drei willkürlich gewählte Beispiele zu nennen.

»WortBildKünstler« ist ein komplexes und ambitioniertes Publikationsprojekt, das Material von 15 Autoren aus über 17 Institutionen (darunter z.B. das Kunsthaus Zürich, das Deutsche Literaturarchiv Marbach, die Odense City Museums und das Frankfurter Städel Museum) sowie vielen privaten Sammlungen zusammenführt und in ein editorisches Bravourstück verwandelt hat. Ich möchte nun auf drei Aspekte eingehen, die das Projekt stark und unbedingt zur Lektüre empfehlenswert machen.

Mehr unter: http://www.dasgedichtblog.de/wortbildkuenstler-von-goethe-bis-ringelnatz-und-herta-mueller-von-ulrich-luckhardt-hrsg/2014/04/28/

Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch | 16/02/2014 20:46

Etwas, das man zur Hand nimmt. Ein Buch, zum Beispiel – ein Handbuch. Martina Hefter überreicht dem Leser mit »Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch« (kookbooks, 2013) ein vierteiliges Kompendium, das die sonderbare Spannung zwischen Bewegung und Stillstand verhandelt. Erst im dritten Teil begegnet man eine Art Poetologie, die ringt zwischen leiblicher Expressivität und skripturaler Anamnese, zwischen Ausgedrücktem und Erinnertem (oder Abgedrücktem): »Wenn aus dem Schreiben eine Haltung wird und man konserviert das, was man geschrieben hat, aber die Haltung nicht, was dann? Wie man sich in eine Haltung hineinschreibt, so kommt man aus ihr nicht heraus. […] Aus der Haltung könnte eine Bewegung werden, deren passivster Teil ich bin« (Martina Hefter: Sitzen. Stehen. Gehen. Sätze).

Dies ist eine bemerkenswerte Einsicht für eine Lyrikerin, die doch professionsmäßig ständig bemüht ist durch Sprache Bedeutungsüberschüsse zu arrangieren. Diese Einsicht, denke ich, entspringt aber dem schmerzvollen Wissen, das Schreiben immerfort auch Reduktion meint - und zwar trotz aller Deutungspotenz der Sprache. Hefter präsentiert ihren Zugang zum Schreiben allerdings nicht in Form eines achtblättrigen Traktats, sondern im Stil einer Meditation. Aber dazu sogleich.

Denn insofern das »Handbuch« auch einen gewissen ästhetischen Erfahrungsraum bereitstellt, den man Seite um Seite durchschreitet, ermöglicht uns Martina Hefter zunächst einige angenehme Erfahrungen dessen, was ich als die Wandelbarkeit und Variabilität des Sinns bezeichnen werde. Ich gebe nun nicht mehr als meine Lesart ihrer Gedichte wieder und schlage vor, Martina Hefters Büchlein unter vier Aspekten zu betrachten: I) das Verb als Ereignis; II) der heimlich arrangierende Rezipient; III) akustische Morphologien; IV) Handbuch der Freiheit.

Mehr unter: http://www.dasgedichtblog.de/vom-gehen-und-stehen-ein-handbuch-von-martina-hefter/2014/02/17/

Old Glory | 15/01/2014 19:44

»OId Glory« ist ein Kosename für die Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika. Obschon die Flagge ursprünglich in Salem (MA) hergestellt und während des Sezessionskriegs als Banner der Unionstruppen verwendet worden ist, ist »OId Glory« ein Symbol für die nationale Einheit durch alle Diskontinuitäten, Widersprüche, Triumphe, durch alle busts and bangs hindurch. Das Smithsonian hütet heute »OId Glory« wie der Trierer Dom die Tunika Jesu Christi (Heiliger Rock). Ich lese Deterings Titelwahl als eine Art poetologische Weichenstellung.

Das Büchlein »Old Glory« (Wallstein Verlag, 2012) präsentiert 50 Gedichte in fünf Sektionen zu je 10 Texten, von denen Tao downtown und Schlangenberg aus zwei bzw. drei Abschnitten bestehen. Vielleicht könnte man dieses Arrangement als (nahezu) analog zu den Sternen im Sternenbanner betrachten, in dem ein Stern jeweils für einen Bundesstaat steht. Die Gedichte, die unter diesem Titel zusammengeführt sind, sind thematisch äußerst heterogen und von einem starken qualitativen Gefälle geprägt. Auch hier lese ich ein Analogon zu »Old Glory« bzw. der amerikanischen Zivilisation.

Mehr unter: http://www.dasgedichtblog.de/old-glory-von-heinrich-detering/2014/02/03/

verdecktes gelände | 07/12/2013 19:47

Nehmen wir an, das Experiment ginge auf: sich zur Welt in ein solches Verhältnis zu setzen, das komplexer wäre als ein bloßes »Lesen« von Landschaften, komplexer noch als die poetisierende Interpretation und die Manien der Sinnzuschreibung per Logos und Cogito. Unsern Weltbezug und Selbstbezug radikal von der Wahrnehmung her zu gewinnen. Dinge sind da. Und Nico Bleutge wendet die cartesianische Wende erneut. Dinge sind nicht notwendig an sich denkbar, reflektierbar, beschreibbar. Wir können locker bleiben. Sie sind einfachhin und bedürfen zunächst keiner Extraktion von Bedeutung. Nehmen wir an, wir ließen ein stimmhaftes Wesen reagieren auf seine Welt wie die Fühler eines Insekts auf das plötzliche Vorhandensein eines Zweiges.

Mehr unter: http://www.dasgedichtblog.de/lyrik-neuerscheinungen-ausgelesen-verdecktes-gelande-von-nico-bleutge/2014/01/06/

Umstellung der Zeit | 06/12/2013 21:47

Was sagt der Heilige Augustinus nochmal gleich über die Zeit? »Wenn mich keiner danach fragt, so weiß ich, was es ist; sooft ich es jedoch einem Fragenden explizieren will, weiß ich es nicht«. Niemand hat Michael Krüger nach der Zeit gefragt. Gleichwohl funkelt in den Gedichten von »Umstellung der Zeit« (Suhrkamp Verlag Berlin 2013) ständig dieses äußerst verwickelte Rätsel oder »<em>inplicatissimum aenigma</em>«, wie es Augustinus bezeichnete. Der scheidende Hanser-Chef allerdings gibt keine Antworten. Vielmehr <em>umstellt</em> er das Rätsel mit Bildern seiner eigenen Verwunderung: »Was wir, nach langem Grübeln, / die Dichte des Lebens nennen, / stellt das Wort in Frage, / die Sprache versagt. / Die Dichte ist wortlos« (Michael Krüger: <em>Der letzte Tag im August</em>).

Mehr unter: http://www.dasgedichtblog.de/lyrik-neuerscheinungen-ausgelesen-umstellung-der-zeit-von-michael-kruger/2013/12/09/

Die Dunkelheit knistert wie Kandis | 30/10/2013 14:56

Nichts ist schwieriger, als komplexe Sachverhalte einfach auszudrücken. Ganz besonders gilt dies im Bereich der Lyrik, wo manche meinen, es seien verschraubte Kunst- oder Fachsprachen vonnöten, um poetische ›Tiefe‹ zu erzeugen. Hellmuth Opitz verzichtet in seinen Gedichten seit Jahrzehnten auf alles Überkandidelte. Die Macht der Opitzschen Bildsprache wird von vielen Lesern geschätzt. Schon lange gilt der Dichter aus Bielefeld als großer ›Frauenflüsterer‹. Aber auch außerhalb des ewigen Poesiethemas »Liebe« brilliert Opitz als deutscher Meister der lyrischen Einfachheit...

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http://www.dasgedichtblog.de/hellmuth-opitz-die-dunkelheit-knistert-wie-kandis-gedichte/2013/10/18/

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