« »

The book shop with Theme-shelves
by renown experts



Profound recommendations
Quick orientation

BUY BOOKS WITHOUT REGISTERING
no data collecting
independent and ad free
totally carbon neutral

On this starter shelf - our full range
over 3 Mio titles sorted by:
recently added to any shelf



91 Comment(s) of »Weltempfänger litprom Bestenliste«

Mein pochendes Leben | 02/10/2017 17:58

Ein Roman über ein Kind, das an der seltenen Krankheit Progerie (vorzeitiges Altern) leidet. In fast nüchterner, lakonischer Sprache, durchsetzt mit poetischen, nie sentimentalen, vielmehr humorvollen Einsprengseln erzählt er vom Sterben und Vergehen. Und verleiht so diesem Thema große Leichtigkeit.
(Anita Djafari)

Die Taugenichtse | 02/10/2017 17:57

London, Waterloo Station, 1948: Die ersten, als billige Arbeitskräfte ver- p ichteten Migranten treffen aus der Karibik ein. »Die Taugenichtse«
verleiht ihnen so gewieft wie genial Stimme: Selvons Kunstsprache aus Kreol und Komik bringt Rassismus und Fremdenangst wie gestern geschrieben
auf den Punkt.
(Claudia Kramatschek)

Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden | 02/10/2017 17:56

Zwei schräge Schwarze in einer versifften Wohnung, dazu einige weiße Frauen, die sich verzückt die Klinke in die Hand geben. Mehr braucht Dany Laferrière nicht für seine böse, unerhört komische Hommage an die Überlebenskunst der Marginalisierten. Eine Kampfansage, eine Feier des Lebens, der Literatur.
(Insa Wilke)

Die Drei Reiche | 02/10/2017 17:54

Großes historisches Kino: Die Han-Dynastie zerfällt und zersplittert in drei Reiche, die einander fortan bekämpfen. Darum geht es in diesem epochalen zweibändigen Werk, einem chinesischen Politklassiker, der nun erstmals vollständig und zudem hervorragend übersetzt vorliegt.
(Katharina Borchardt)

Die Affekte | 02/10/2017 17:53

Wie gerät eine junge Deutsche ins Netzwerk der Guerilla im Umkreis des legendären Che Guevara? Ihr Vater war Kameramann von Leni Riefenstahl. Mitte der 50er Jahre zieht die Familie nach Bolivien. Der bolivianische
Autor palästinensischer Herkunft erzählt mit Verve die fortschreitende Radikalisierung einer Familie bei zunehmender Gefühllosigkeit.
(Ruthard Stäblein)

Die Geschichte einer kurzen Ehe | 02/10/2017 17:52

Gibt es Zärtlichkeit in einer Welt der Gewalt? Kann man zärtlich über Gewalt schreiben? Mit seltener phänomenologischer Präzision schildert dieser junge Autor die Mühsal, mit der mitten im Krieg die dringlichsten menschlichen Bedürfnisse befriedigt werden und die verzweifelten Versuche der Gehetzten und Gejagten, einen letzten Rest Würde zu wahren.
(Ilija Trojanow)

Eine allgemeine Theorie des Vergessens | 02/10/2017 17:51

Luanda 1975, am Vorabend der Revolution: Ludovica wird von Diamanten- räubern bedroht, Schwager und Schwester sind verschwunden. Es herrscht Chaos. Eine vornehme Wohnung wird zu ihrer Zu ucht und Festung für Jahre. Auf unterhaltsame Weise verdichten sich verschiedene Schicksale zu einem kunstvollen Mosaik des (post)kolonialen Angola.
(Andreas Fanizadeh)

Suff und Sühne | 23/06/2017 11:08

Suff, Gewalt und Tod, angriffslustig, satirisch, sarkastisch und ungeheuer komisch. Auf bizarre Zustände in Haiti reagiert Victor mit einem bizarren Szenario, das deswegen die Realitäten umso genauer trifft. Sein Held säuft, weil er um der Gerechtigkeit willen töten muss. Große (Kriminal-) Literatur.
(Thomas Wörtche)

Die Straße zum 10. Juli | 23/06/2017 11:07

Auch in Chile hat der Turbokapitalismus die Menschen gedrillt. Aber einer steigt aus und verschwindet. Phantastisch abgründig erzählt Nona Fernández die chilenische Leistungsgesellschaft als Folge der Militärdiktatur und verbindet persönliche mit kollektiven Traumata. Ein beachtlicher literarischer Versuch.
(Insa Wilke)

Teilansicht der Nacht | 23/06/2017 10:57

Ruffato kommt in seiner Geschichte der brasilianischen Arbeiterklasse in den 70er Jahren an, mit diesem dritten von fünf Bänden seiner Romanreihe »Vorläu ge Hölle«. Seine kantigen Personen bäumen sich gegen die Macht des Elends auf oder gehen darin unter. Atemlos, stakkatohaft, hämmert er einem seine Satzfetzen ein und stanzt sie in kompakte Spannungsbögen.
(Ruthard Stäblein)

Die vielen Namen der Liebe | 23/06/2017 10:56

Als Kind ieht Vi aus Vietnam nach Kanada. Dem autobiographischen Stoff gewinnt Kim Thúy in eindringlichen und kunstvoll gesetzten Miniaturen berührende Facetten ab: Wie sich aus gesellschaftlichen und familiären Traditionen befreien, die Halt und Grenzen bedeuten? Wie Fremde in Heimat verwandeln?
(Claudia Kramatschek)

Madrid, Mexiko | 23/06/2017 10:55

Der Roman erzählt eine Migrationsgeschichte aus dem »Alten Europa« und verknüpft sie mit aktuellen Ereignissen in der »Neuen Welt«. Rivalitäten aus der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs und ein »Mord aus Leidenschaft« in Mexikos Gegenwart werden gekonnt und vielschichtig miteinander verbunden.
(Andreas Fanizadeh)

Die drei Sonnen 01 | 23/06/2017 10:52

Ein Ungetüm überbordender Erzählkunst und aufregender Gedanken- akrobatik. Ein Science-Fiction-Roman, der zur Zeit der Kulturrevolution beginnt. Die Handlung befreit von der historischen Realität, Gewissheiten zerfallen, das Mysteriöse gewinnt die Oberhand. Wie ein komplexes Computerspiel, das süchtig macht.
(Ilija Trojanow)

Denunziation | 23/06/2017 10:52

Ein heldenhafter Kutscher fällt seinen Lebensbaum. Ein Kind weint
beim Anblick eines Karl-Marx-Banners, Angst, Hunger, Willkür der Partei bestimmen den Alltag. Bandi, ein anonymer Autor, zeigt Menschen
in Nordkorea wie unsere Nachbarn nebenan. Einfühlsam, illusionslos und doch komisch. Einzigartig!
(Cornelia Zetzsche)

Die Leiden des letzten Sijilmassi | 27/02/2017 17:01

Herr S., ein erfolgreicher Manager, gibt nach einer plötzlichen Eingebung alles auf und geht zurück aufs Land. Dort beginnt er eine radikale Aus- einandersetzung mit seinen Wurzeln, seinem islamischen Glauben, seiner Sprache. Eine grotesk überspitzte Geschichte, die höchst amüsant zu lesen ist.
(Anita Djafari)

Song Dog | 27/02/2017 17:00

James McClure hat die südafrikanische Kriminalliteratur bis heute geprägt. Seine Romane sezieren, ohne sie mit einem Wort zu erwähnen, die Verheerungen der Apartheid. Brillante Prosa, grimmige Dialoge und ein schonungsloser Blick auf die Konfliktlagen ergeben große Literatur in humaner Absicht.
(Thomas Wörtche)

Kalkutta | 27/02/2017 16:59

Trisha reist zur Einäscherung ihres Vaters zurück in ihre Heimatstadt Kalkutta. Die Reise wird zur Zeitreise: in die Geschichte ihrer Familie bis zu den Anfängen an einem Fluss in Bengalen und in die politisch bewegte Geschichte des Landes, ja des indischen Subkontinents. Poetisch, wuchtig, zärtlich.
(Claudia Kramatschek)

Der Himmel gibt, der Himmel nimmt | 27/02/2017 16:58

Ein Baby soll nicht wachsen, sondern als Krüppel bandagiert dem Betteln dienen. Von schräg unten beobachtet es das Geschehen auf dem Markt- platz, erzählt in Schwänken von Armut, der herrschsüchtigen Mutter und davon, wie es die Bande löst. Binebine bringt so die Nöte seines Landes mit Witz aufs Tapet.
(Ruthard Stäblein)

Die Reise in den Westen | 27/02/2017 16:57

Auf nach Indien, um Buddha zu huldigen und heilige Schriften nach China zu holen! Priester, Affenkönig, Eber und Sandmönch machen sich auf den Weg. Doch überall lauern Gefahren: Gauner, Ungeheuer, Frauen! Werden die vier es schaffen? Ein Klassiker aus der Ming-Dynastie – übertragen in ein hinreißend frisches Deutsch. (Katharina Borchardt)

Kokoro | 27/02/2017 16:55

Der Sensei hat Schuld auf sich geladen. Nur so konnte er einst die hübsche Shizu für sich gewinnen. Doch davon weiß niemand etwas. Erst ein junger Student, der sich mit dem Sensei befreundet, kommt hinter dessen Geheimnis. Ein zentrales Werk der japanischen Moderne. Ein bis heute berückender Roman.
(Katharina Borchardt)

Fereydun hatte drei Söhne | 01/12/2016 18:41

Madjid, ein schwer traumatisierter Exilant aus Iran, öffnet seine »Ruhmes- schatulle«, und mit den Fotos bedrängen ihn Erinnerungen an seine Familie zwischen dem Schah-Regime und der Islamischen Revolution. Virtuos changieren Zeiten und Orte in diesem atemberaubend bildstarken Roman von Exil und Entwurzelung. (Cornelia Zetzsche)

Signor Hoffman | 01/12/2016 18:40

Der Schriftsteller Eduardo trifft auf Reisen u. a. durch Guatemala, Israel und Polen immer wieder auf dieselbe Frage: Wer bin ich, woher komme ich?
Er lehnt die Festlegung auf seine jüdische Identität ab, zieht das Spiel mit der Verstellung vor, durch das sein Großvater Auschwitz überlebte. Witzig, traurig, dicht verwoben. (Ruthard Stäblein)

Golden Boy | 01/12/2016 18:39

Manju, ein Junge aus dem Slum, wird als Cricket-Talent zum Goldjungen. Cricket ist wie Fußball: Religion und Obsession, Aufstiegschance für Underdogs und Investment für Millionäre. Aber Adigas zauberhafte Figuren sind nicht schwarz- weiß gezeichnet, vielmehr unvergessliche Glückssucher in Mega-Mumbai.
(Cornelia Zetzsche)

Piano Oriental | 01/12/2016 18:38

Eine Graphic Novel aus dem alten Beirut, westliches Klavierspiel trifft auf die Viertelton-Tradition orientalischer Musik. Toll gezeichnet und vor dem Hinter- grund der eigenen Biografie und Familiengeschichte spannend erzählt. Mittendrin in den heutigen Identitätsdiskursen – ohne selber dabei identitär zu wirken.
(Andreas Fanizadeh)

Yanvalou für Charlie | 01/12/2016 18:37

Haiti, Land der schärfsten Gegensätze. Einer will nach oben, ein anderer erinnert ihn an seine Wurzeln. Stadt, Land, Reiche, Arme, Gewinner, Verlierer – ist die Welt wirklich so einfach? Literatur schafft Differenzierung. Radikal, böse, kämp- ferisch, hochauflösend. Ein virtuoser Roman ohne Scheuklappen. (Thomas Wörtche)

Der Gefangene | 01/12/2016 18:35

Karatschi, Dezember 2006: Ein amerikanischer Journalist ist entführt worden. Ausgerechnet Akbar Khan – einst ranghoher Polizist, nun Insasse im Zentral- gefängnis von Karatschi – soll helfen, ihn zu finden. Ein temporeicher Krimi über ein politisches System, in dem Staat und Verbrechen Hand in Hand gehen.
(Claudia Kramatschek)

Ministerium für öffentliche Erregung | 01/12/2016 18:33

Vierzehn Erzählungen, die es in sich haben: In ihnen erzählt die erst 29-jährige Autorin Amanda Lee Koe von verpasstem Leben und nicht gelebter Liebe, aber auch vom kolonialen Erbe im Vielvölkerstaat Singapur. Melancholische Geschichten, die an die Schmerzgrenze gehen und die trotzdem cool klingen.
(Katharina Borchardt)

Neun Nächte mit Violeta | 22/09/2016 16:14

Erzählungen. Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein. Unionsverlag, 256 Seiten
Die Erzählungen enthalten die gesamte Bandbreite seines Könnens. Padura schreibt über enttäuschte Jugendträume, verpasste Gelegenheiten, die Entbehrungen des sozialistischen Alltags, Einsätze in Angola, den Abschied von Idealen und Träume von erotischen Fluchten. Alles getragen vom Rhythmus des Bolero und seiner Einsicht „zu genießen, was du genießen kannst, denn alles geht dahin.“ (Ruthard Stäblein)

Die Vegetarierin | 22/09/2016 16:12

Roman. Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee. Aufbau, 190 Seiten
Für ihren Ehemann ist Yeong-hye langweiliger Durchschnitt, genau das findet er gut an ihr. Bis sie beschließt, Vegetarierin zu werden. Ein unerhörter Akt der Rebellion, für den sie nur Unverständnis erntet. Ihre Antwort ist eine rauschhafte Flucht in den Wahn, sie mutiert in ihrer Vorstellung zum Baum. Der Zerfall einer Frau, erzählt aus dreifacher Außenperspektive, nachhaltig verstörend, unge- heuer beeindruckend. (Anita Djafari)

Power Play | 17/09/2016 06:20

„Titus Andronicus“ in Kapstadt, heute. Mit seiner bösen Shakespeare-Variation erzählt Mike Nicol eine makabre Gangstergeschichte um einen Bandenkrieg, bei dem es im Hintergrund um politische Macht geht. Einmal mehr zeigt sich Nicol mit diesem rasanten, virtuosen Thriller als verzweifelt-wütender Chronist einer Gesellschaft, die er als extrem bedroht versteht. (Thomas Wörtche)

Die 33. Hochzeit der Donia Nour | 17/09/2016 06:19

Tägliches Gebet ist Pflicht. Wer über Soll betet, erhält einen attraktiven Paradiesgutschein. Willkommen im Ägypten des Jahres 2048! Islamismus und Neo-Scharia regieren das Land. Donia Nour will weg und spart sich das Geld für ihre Flucht als 24-Stunden-Braut zusammen. Doch ihre 33. Hochzeit geht gründlich schief. Hazem Ilmis Zukunftsvision für sein Land: tiefschwarz und gerade deshalb hoch- komisch. (Katharina Borchardt)

Der Ort, an dem die Reise endet | 17/09/2016 06:19

Kenia wurde von Ngu ̃ gı ̃ wa Thiong’o auf die literarische Weltkarte gesetzt, Yvonne Adhiambo Owuor schraffiert nun diese Karte neu, mit viel Mut zu prägnanten Sätzen, aufgeladenen Metaphern und einer schillernden Geheimnishaftigkeit, die ohne platte Erklärungen in ostafrikanische Geisteswelten hineinführt; ein zeitgeschichtliches Panorama (das bis zu dem Massenmord der britischen Kolonial- verwaltung zurückreicht) von intimer Intensität. (Ilija Trojanow)

Die Haltlosen | 17/09/2016 06:17

Turgut strandet als Ingenieur und Familienvater im „Monstrum Leben“. Er wird ein „Haltloser“, Sinn- sucher, Intellektueller in der Türkei der 70er; mitgerissen vom Strom der Erinnerungen, Gedanken, Bilder. Ein moderner Klassiker, turbulent in seiner stilistischen Vielfalt; hinreißend selbstironisch, mit einer Fülle literarischer und politischer Anspielungen. Keine Angst vor dicken Brocken – lesen! (Cornelia Zetzsche)

Der letzte Granatapfel | 17/09/2016 06:17

Ein Vater auf der Suche nach seinem verlorenen Sohn, die sich ausweitet zu einer eindringlichen Reise durch die alptraumhafte Geschichte der irakischen Kurden im 20. Jahrhundert. Bachtyar Ali, der große Erneuerer der kurdischen Gegenwartsliteratur, schenkt uns Weltliteratur voller Mystik und Magie, furios übersetzt.
(Claudia Kramatschek)

La Oculta | 30/05/2016 16:50

Was macht Familie, Herkunft und individuelle Orientierung aus? Ein multiperspektivischer Roman, der das Große im Kleinen spiegelt und nebenbei thematisiert, warum die Flucht aus den „traurigen Tropen“ auch einer Vertreibung aus dem Paradies gleichkommt. Vor dem Hintergrund der kolumbia- nischen Geschichte universell und packend erzählt. (Andreas Fanizadeh)

Eternauta | 30/05/2016 16:50

Ein Opus Magnum nicht nur der argentinischen Comic-Geschichte, erstmals vollständig auf Deutsch, eine verlegerische Großtat. Obwohl 1957 – 1959 erschienen, bestechen die raffinierte Cliffhanger- Technik und die virtuose s/w-Graphik noch heute. Eternauta gehört zu den wichtigen künstlerischen Dokumenten einer sich selbst unsicher gewordenen Menschheit. (Thomas Wörtche)

Die Gehörlosen | 25/05/2016 10:41

Roman. Aus dem Spanischen von Anna Gentz. Septime Verlag, 288 Seiten
Ein Mystery im wahrsten Wortsinn aus Guatemala, das nicht in die Falle tappt, geheimnisvolle Ereignisse um eine verschwundene Oberschichtserbin und seltsame neurochirurgische Verfahren rest- los aufzuklären. So mysteriös wie die Ratschlüsse und Verfahren eines Maya-Gerichtes, das tatsächlich existiert. Unkonventionell-brillanter Thrill und Suspense aus einem der gewalttätigsten Länder der Erde. (Thomas Wörtche)

Reis & Asche | 25/05/2016 10:41

Roman. Aus dem Englischen von Claudia Wenner. Verlag Das Wunderhorn, 216 Seiten
Furios und fulminant – sprachlich wie formal – tastet sich Meena Kandasamy an ein historisches Mas- saker heran, verübt an 44 Dalits, die 1968 – dem Jahr der Unruhen auch in Indien – gewagt hatten, zu protestieren: gegen ihre Ausbeutung, ihre Unterdrückung, ihren Hungerlohn. Zugleich denkt sie über die Frage nach: wie als Nachgeborene davon erzählen? Ein engagierter und rebellischer Roman. (Claudia Kramatschek)

In anderen Herzen | 23/05/2016 15:05

Roman. Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini. Kunstmann, 640 Seiten
Supratik will die Welt verändern, Chhaya leidet unter ihrer dunklen Haut, Adinath sorgt sich um sein Geschäft, und über allem thront der Patriarch der weitverzweigten Familie Ghosh im Kalkutta der 60er Jahre, einer Zeit des Umbruchs, in der alles zerfällt. Eine unsentimentale Familien-Saga, einfühlsam, meisterhaft komponiert, boshaft, witzig, tragisch, hinreißend! Die Buddenbrooks lassen grüßen. (Cornelia Zetzsche)

Was das Meer ihnen vorschlug | 23/05/2016 15:05

Es gewittert über der Karibik. Der Vater fischt weiter aus Gier, dieser „Mistkerl“. Die Söhne begehren auf, stehen aber weiter unter seiner Knute. Die Mutter ist schizophren, hört Stimmen. Eine Parodie auf den Machismo von Hemingway. Dieser Roman endet jedoch anders als erwartet. 26 Stunden werden aus jeweils anderer Sicht geschildert. Spannend und superb, wie González diese Stimmen orchestriert. (Ruthard Stäblein)

Kommt ein Pferd in die Bar | 03/03/2016 09:49

Ein Comedian redet über und um sein Leben, rastlos witzelnd, exhibitionistisch, traumatisiert. Im Pub- likum: ein Gefährte der Kindheit, erschüttert von der verzweifelt komischen Show, der Grausamkeit der Menschen, eigenem Versagen. Die Lebensbeichte, der Blick in die Hölle mit politischer wie psy- chologischer Klarsicht wird zum grandiosen Psychogramm einer Gesellschaft, die das Leid anderer „ausradiert“. (Cornelia Zetzsche)

Sieben Jahre Nacht | 03/03/2016 09:49

Ein fiktives Dorf an einem Stausee wird überflutet, Hunderte Menschen sterben. Der Verursacher wird zum „Stauseemonster“, sein Sohn muss mit der Schande leben. Die Autorin entfaltet nach und nach eine hochspannende, raffiniert angelegte Kriminalgeschichte um das Warum. Dabei geht es auch um die innere Hölle eines Menschen, der einen tödlichen Fehler begeht und nicht mehr aus dem Alp- traum erwacht. (Anita Djafari)

Tarlan | 03/03/2016 09:49

Der Schah hat abgedankt, das Land ist im Umbruch. Auch die junge Tarlan sucht ihren Weg in den Umwälzungen. Eher aus Frust denn aus Lust wird sie Polizistin. Was wie eine Flucht nach vorne an- mutet, entpuppt sich zwischen den Zeilen als eine hintergründige Befragung der Revolutionsgeneration und ihrer Rollenbilder aus Sicht der Frau. Ein leiser Roman, der es in sich hat. (Claudia Kramatschek)

Ich bin am Leben | 03/03/2016 09:48

Das Erdbeben 2010 auf Haiti hat auch die Nervenklinik schwer beschädigt, wo der schizophrene Alexandre lange untergebracht war. Er kehrt zurück zu seiner Familie und löst bei Mutter, Geschwis- tern und Hausangestellten ein intensives Überdenken des eingespielten Zusammenlebens aus. Ein Roman eindringlicher innerer Monologe – ein spannungsvolles Familientableau. (Katharina Borchardt)

Die Reputation | 01/03/2016 06:58

Ein fieser Politiker soll ein Mädchen missbraucht haben. Ein mutiger Karikaturist nimmt ihn aufs Korn. Aber stimmt der Verdacht? Trügt die Beobachtung und erst recht die Erinnerung? Vásquez überlässt dem Leser das Urteil. Wie der Kolumbianer seine Figuren einkreist, ist fesselnd und phänomenal. (Ruthard Stäblein)

Tal des Schweigens | 01/03/2016 06:58

Südafrika, 1953. Ein Zulu-Mädchen ist ermordet worden. Nicht der Rede wert für die weiße Polizei, wenn nicht Detective Sergeant Emmanuel Cooper und Sergeant Shabalala sich des Falles annehmen würden und dabei die starre rassistische Ordnung in Drakensberge verstörten. Ein klassischer Krimi- nalroman mit viel Substanz, vielen Dimensionen und utopischer Poesie. (Thomas Wörtche)

Aufschlag Caravaggio | 01/12/2015 14:12

Der spanische Barockdichter Francisco Gómez de Quevedo und der Maler Caravaggio spielen in Rom Tennis. Das ist intelligent, fantasievoll, unterhaltend, artistisch und sehr komisch. Natürlich geht es um Kunst und Politik, die Moderne dämmert am Rande herauf, die Welt wird größer und globaler. Elegante Komplexität, die dann eben doch nicht nur historisch zu lesen ist. (Thomas Wörtche)

Lasst mich da raus | 01/12/2015 14:11

Ein Provinzmuseum in der argentinischen Pampa dient als Kulisse für ein anregendes Spiel mit Fiktion und Fakten. Dieser Roman ist eine wütende, witzige Auseinandersetzung mit nationalen Mythen – und ein Votum für ein Leben „gegen den Strich“. (Andreas Fanizadeh)

Double Negative | 30/11/2015 07:42

Ein trickreicher Roman: Der südafrikanische Schriftsteller Ivan Vladislavic ́ reflektiert darin den Übergang seiner Heimat von einem Apartheidsregime zur Regenbogennation. Geformt wie ein Triptychon und mithilfe der Fotografie als Leitmotiv, geht es um Grundsätzliches: Um die Frage, auf welche Weise Bilder Erinnerung und damit Geschichte erschaffen. (Claudia Kramatschek)

Der Löwensucher | 30/11/2015 07:41

Isaac erlebt in Johannesburg den doppelten Rassismus: gegen Schwarze und gegen Juden wie ihn. Sein Vater repariert die Zeit, die Mutter baut willensstark am neuen Leben, ihre rätselhafte Narbe weist zurück in die litauische Heimat. Und Isaac sucht die Kraft des Löwen in sich. Bonerts weltumspan- nende Familiengeschichte zwischen Pogromen und Apartheid ist mitreißend, tragisch und voller Witz. Ein Gesellschaftspanorama Südafrikas, virtuos erzählt. (Cornelia Zetzsche)

Die weite Sargassosee | 30/11/2015 07:40

Ihr Liebesdurst und der gesellschaftliche Konflikt zwischen Schwarzen und Weißen treiben die Er- zählerin und Kreolin in den Wahnsinn. „Jetzt warn wir nur noch weiße Nigger, und schwarze Nigger warn besser als weiße.“ Rhys schreckt nicht davor zurück, einen schwarzen Rassismus genauso wie das weiße Unverständnis für die Mischformen, das Kreolische, die Karibik, in schrillen, bedrohlichen Far- ben zu schildern. Hochaktuell, auch wenn der Roman um 1840 spielt. (Ruthard Stäblein)

Mangroven - Manglares | 31/08/2015 01:41

Seit 1994 wächst der Gedichtband namens „Mangroven“ – und ändert wie diese seitdem organisch seine Gestalt. Die Mangroven stehen darin sinnbildlich für den Zusammenhang von Mensch und Natur, von Tod und Leben, Anbeginn und Ende. Die Übermacht eines tropischen Regens hat darin ebenso seinen Platz wie die politische Gewalt im Kolumbien. Schön. (Claudia Kramatschek)

Die Verbrannten | 31/08/2015 01:41

In einem Durchgangslager werden Migranten aus Mittel- und Südamerika massakriert. Die offizielle Politik reagiert mit Abwiegelung und Kriminalisierung der Opfer. Eine Momentaufnahme mexikanischer Verhältnisse, die keinesfalls nur mexikanisch sind. Virtuos erzählt, einen grausamen Realismus mit sur- realen Passagen erzielend. Ein zorniges Buch, dessen Intention ästhetisch gedeckt ist. (Thomas Wörtche)

Acht Leben | 31/08/2015 01:40

Erzählt werden acht verschiedene Biographien, die sich einige Male als Metamorphosen entpuppen: So wird ein Kommissar zum Taxifahrer, ein buddhistischer Mönchsdiener zum Boxer. Hoon Kim berichtet von Lebenskrisen und Sterbensprozessen. Er beobachtet präzise den koreanischen Alltag. Er kratzt am Glanzlack Südkoreas und entdeckt unter der Oberfläche ein Netz von Grausamkeiten. Ergreifend, dicht, melancholisch, poetisch. (Ruthard Stäblein)

Alle Farben Rot | 21/08/2015 14:25

Amba liebt Bhisma, den Arzt und Aktivisten. Getrennt werden beide durch die gnadenlose Gewalt von General Suhartos Kommunistenjagd 1965. 40 Jahre später sucht sie ihn auf der einstigen Gefan- genen-Insel Buru. Ein kunstvoller Liebes- und Polit-Roman, ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Landes, ein Epitaph für die Opfer, im Spiegel des Nationalepos Mahabharata. Der wichtigste Roman im indonesischen Herbst.
(Cornelia Zetzsche)

Der Verrückte vom Freiheitsplatz | 20/08/2015 15:16

Erzählungen. Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Kunstmann, 255 Seiten
Die toten Seelen leben in Bagdad, wo dem Alltag ein Arm und ein Bein fehlt, die Tattoos sind auf den fehlenden Gliedern, alles kracht auseinander, auch Sprache und Stil – der arabische Meister der Kurzgeschichte zückt „tausendundein Messer“. Eine literarische Untertunnelung eines Landes, in dem nach drei Jahrzehnten Krieg nur noch der Horror herrscht. (Ilija Trojanow)

minimal | 20/08/2015 15:16

Lyrik. Aus dem Japanischen von Eduard Klopfenstein. Secession, 80 Seiten
Diese Gedichte sind im wahrsten Sinne des Wortes minimal: schlank und luftig getextet. Es geht um Sinneseindrücke, das Verhältnis von Körper und Worten, um das Vergehen der Zeit. Die situativ inspi- rierten Texte umkreisen das Schweigen mehr als das Sprechen. Angeordnet in drei entfaltbaren Buch- blöcken und gedruckt auf zweifarbigem Papier ist der Band auch gestalterisch ein Kunstwerk. (Katharina Borchardt)

Die Palme und der Stern | 20/08/2015 15:15

Dieser Roman ist ein ganz großes Panorama – eine Kultur-, Dichtungs-, Geistesgeschichte von 200 Jahren Kuba und der ganzen hispanophonen Karibik, natürlich mit dem Akzent auf Emigration, auf Solidarität und Dissidenz, über die Dialektik von Poesie und Realpolitik. Eine Hymne auf ein ideales Kuba, auf die Literatur und gleichzeitig ein großer Roman der Desillusion und Trauer. (Thomas Wörtche)

Jeder Tag gehört dem Dieb | 06/06/2015 11:26

Innenansichten eines Rückkehrers in Episoden. In Nigeria aufgewachsen ist Cole heute in den USA zuhause. Mit 30 besucht er Lagos und betrachtet den Alltag „seiner“ Landsleute mit zugleich kühlem und liebendem Blick. Die Enttäuschung über Chaos, Korruption und Betrug kann er nicht verhehlen. Schreibend gelingt ihm die Auseinandersetzung: Bleiben oder gehen? Und die Erkenntnis, was Fremdsein bedeutet: Keine Lücke zu hinterlassen, wenn man sich für Letzteres entscheidet. (Anita Djafari)

Der Araber von morgen | 04/06/2015 14:13

So tiefsinnig wie humorvoll: Riad Sattouf erzählt in seiner Graphic Novel Episoden aus seiner Kindheit zwischen Frankreich, Libyen und Syrien. Und treibt dabei so seine Scherze, mit den innergesellschaftlichen Widersprüchen einer traditionell ausgelegten sunnitisch-arabischen Kultur. Die Comic-Lektüre des Jahres 2015! (Andreas Fanizadeh)

Munk | 04/06/2015 14:13

Der Roman hat mindestens vier Ebenen. Er beginnt als campus novel. Ein argentinischer Autor ist blank, gelangt an eine US-Elite-Uni, verliebt sich in einen Uni-Star, der stirbt. Gibt es einen Mörder? – fragt die Detektivgeschichte. War es ein Killer, ein Terrorist? – der Thriller. Das ist spannend. Interessanter ist die Metafiktion: Wie schreibe ich über was, z.B. über einen Marder, der einen anschaut „wie ein kleiner Mönch mit schwarzem Umhang und grauer Kapuze, hämisch und verächtlich.“ (Ruthard Stäblein)

Der kleine buddhistische Mönch | 03/06/2015 19:00

César Aira in Höchstform: Dieses Mal ist es ein kleiner koreanischer Mönch, der ein französisches Fotografen-Ehepaar kennenlernt und in einen buddhistischen Tempel einlädt. Dort sucht der Fotograf verzweifelt nach der Zentralperspektive, während die verspielten Mönche ihm immer wieder durchs Bild huschen. Eine unberechenbar-ausgelassene Groteske mit viel Witz. Geistige Entkrampfung garantiert! (Katharina Borchardt)

Judas | 03/06/2015 18:59

In seinem virtuosen Roman diskutiert Amos Oz die Legende vom "Verräter" als Quelle des Antisemitismus, politische und religiöse Mythen und die Staatsgründung Israels. Sein "Judas" ist eine universale Geschichte von Liebe und Verrat, Religion und Politik, Staat und Familie; ein Plädoyer für den Diskurs und ein literarisches Gegengift gegen die politische Polemik damals und heute. Meisterhaft! (Cornelia Zetzsche)

Morgen werde ich zwanzig | 06/03/2015 17:12

Gesättigt durch eigene Erfahrungen erzählt Mabanckou von einem 10-jährigen Michel, der durch die Straßen von Pointe-Noire zieht. Aus der naiven Sicht des Jungen wird die Umwelt der Republik Kongo und die politische Weltgeschichte der 1970er Jahre auf den Kopf gestellt. Mit afrikanischem Zungen- schlag. Witzig, schräg und reich an Schwänken. (Ruthard Stäblein)

Körper, beraubt | 04/03/2015 14:26

Die südafrikanische Lyrik-Ikone Antjie Krog beglückt hier mit so persönlichen wie politischen Gedichten des Aufbegehrens: gegen das eigene Altern, gegen alten Rassismus, gegen neuen ethnischen Wahn in ihrer Heimat. Ihre Sprache: messerscharf und doch poetisch. Ihre Haltung: Empathie und Hoffnung trotz kühlem Sachverstand. Ihr Motto: „untergrunds ist platz für alle“. Ein Trostbuch in Zeiten wie diesen.
(Claudia Kramatschek)

Trost | 03/03/2015 15:34

In Kapstadt wird die Stimmung zwischen jüdischen und muslimischen Bevölkerungsteilen ungemütlich, als in einer Synagoge die geschändete Leiche eines anscheinend muslimischen Kindes gefunden wird. Globale Konflikte in Südafrika oder Interessenpolitik? Andrew Browns Thriller reflektiert klug die aktuelle Situation eines demokratischen Staates, der zu einem byzantinischen Geflecht aus Korruption und Organisiertem Verbrechen zu werden droht. Präzise, kühl und doch empathisch.
(Thomas Wörtche)

Löwen wecken | 02/03/2015 13:55

Ein israelischer Neurochirurg überfährt einen illegal eingewanderten Eritreer. Und begeht Fahrerflucht. Die Autorin entwickelt mit großer Ruhe einen rasanten Plot. Ein Arzt, eingeklemmt zwischen zwei Welten und zwei starken Frauen. Dazu ein furioses Finale mit drei (halb-)starken Beduinen. Tiefgründig und überraschend. (Andreas Fanizadeh)

Die Leiden des Krieges | 01/03/2015 08:22

Der Vietnamkrieg ist vorbei. Doch Ex-Vietcong Kien wird seine Erinnerungen nicht los. Nichts kann ihm helfen: weder das Einsammeln toter Soldaten im Dschungel, das Schreiben eines Romans noch die Liebe zu Phuong. Bao Ninh erzählt in seinem großen Antikriegsroman von einer totalen seelischen Zerrüttung. Ein Roman in flirrender Sprache, in Vietnam ein moderner Klassiker.
(Katharina Borchardt)

Des Nachts gehn wir im Kreis | 17/02/2015 16:33

Ich verschenke "Des Nachts gehen wir im Kreis" von Daniel Alarcón. Ein raffiniert erzählter Roman in klarer Sprache über die Nachwehen des Bürgerkriegs in Peru. Es geht um Liebe, Freundschaft und Verrat und dass das Private nicht vom Politischen zu trennen ist. Da ich in den Zeiten des Terrors des Sendero Luminoso in Peru gelebt habe, beeindruckt mich die gründliche Recherche und Lebensklugheit dieses jungen begabten Autors besonders. (Anita Djafari)

Sangre Kosher | 08/12/2014 17:53

Ruth Epelbaum hat sich als Archivarin mit der jüdischen Zuhälterorganisation Zwi Migdal im Argen- tinien der 1930er Jahre beschäftigt. Jetzt gerät sie als Privatermittlerin an einen Auftrag, bei dem ihre Sachkenntnis gefragt ist und muss feststellen, dass die Geschichte noch aktuell ist. In kurzen lako- nischen Sätzen berichtet die liebenswerte Ich-Erzählerin voller Selbstironie von einem ernsten Fall und bringt einen dabei trotzdem ständig zum Schmunzeln. (Anita Djafari)

Mörderische Huren | 08/12/2014 17:53

Die gewaltigste Stimme Lateinamerikas führt uns erneut in ihre „Kammern des Schreckens“. Der Autor von „2666“ (posthum erschienen) hat die „Mörderischen Huren“ schon zu Lebzeiten veröffentlicht. Ausgestattet mit dem typischen Personal von Bolaño: mit Exilanten, Huren, Dichtern auf Abwegen, Boxern, Mördern, verkannten Genies. Ein Leuchtfeuer: schockierend, erhellend, fulminant.
(Ruthard Stäblein)

Fräulein Militanz | 08/12/2014 17:52

Die junge indische Lyrikerin bricht so manche Tabus: Herrlich bissig und doch mit leiser Zärtlichkeit thematisiert sie in ihren Gedichten Gewalt gegen Frauen, die Unterdrückung der niederen Kasten, die Ausbeutung der Armen. Wut und Witz halten sich dabei gekonnt die Waage. Das ist furios – und furios übersetzt von Raphael Urweider. (Claudia Kramatschek)

Wir brauchen neue Namen | 08/12/2014 17:52

Ein übermütiger und trauriger Roman, der den Bogen vom Slum in Simbabwe nach Detroit spannt. Dies ist der Weg, den Darling, die junge Ich-Erzählerin geht, ein Mädchen, cool und empfindsam, das zwei Welten ineinander spiegelt. (Karl-Markus Gauß)

Das lärmende Schweigen | 08/12/2014 17:50

Ein Roman über den Genozid in Ruanda vor 20 Jahren – nicht über das Blutvergießen, sondern über die Folgen. Rätselhaft, fast tranceartig, erzählt Gatore vom Schweigen danach und von seelischen Ver- wundungen eines Opfers und eines Täters. Sein traumhafter Roman über universale Fragen des Menschseins und menschlichen Überlebens ist philosophisch grundiert, klug, irritierend, einzigartig und bricht das lähmende und „lärmende“ Schweigen. (Cornelia Zetzsche)

Der polnische Boxer | 08/12/2014 17:50

Eduardo Halfon’s offen angelegter Roman erzählt von individuellen Erfahrungen und handelt doch von einer universellen Geschichte, vom Trost der Literatur und der Ohnmacht des Wortes. Das Bild der Nummer auf dem Arm seines Großvaters ist der Ausgangspunkt seines Narrativs. (Andreas Fanizadeh)

Shoneyin, L: Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi | 08/12/2014 17:49

Baba Segi ist ein nigerianischer Mann von Format. Dazu gehören vier Ehefrauen und eine entsprechend große Kinderschar. Frau Nummer 4 aber hat studiert, was zu erheblicher Unruhe im Haus führt. Eine bitterböse und zugleich hochkomische Gesellschaftssatire, die die Geschichten der vier Frauen erzählt und die auf eine groteske Pointe zusteuert: denn Baba Segi ist ... (Katharina Borchardt)

Der Letzte der Engel | 01/09/2014 09:25

Der Abenteurer Hamid, genannt „Hamid Nylon“, im Kirkuk der 1950er Jahre, steht symbolisch für Hoffnung und Freiheitswillen der Iraker, zwischen märchenhafter Szenerie und Ölfeldern, Dämonen und modernem Albtraum, britischen Kolonialherren, Kommunisten und Waffenhändlern. Ein literarischer Blick tiefer als die täglichen Schlagzeilen. Große arabische Erzählkunst. Satirisch, poetisch, phantastisch!
(Cornelia Zetzsche)

Yusuf | 01/09/2014 09:23

Eine stille Tragödie von archaischer Wucht. Die ergreifende, aber völlig unpathetische Geschichte von Yusuf, dem traumatisierten Waisenkind in Anatolien 1903, dessen Eltern ermordet wurden, das ein Landrat zu sich nimmt, und das doch fremd bleibt und zu naiv für seine gerissene Umwelt. Macho- Gehabe, Kinderehen, Oliven-Reichtum, Raki-Feste und Intrigen sind fast unspektakulär und doch überaus fesselnd erzählt.
(Cornelia Zetzsche)

Die Heilige Jungfrau vom Nil | 01/09/2014 09:21

Ruanda, Anfang der 1970er Jahre: Im Mädchenpensionat „Die Heilige Jungfrau vom Nil“ treffen die
neuen Schülerinnen ein. Bald schon zeichnen sich unter ihnen Konflikte zwischen Hutu und Tutsi ab,
die inzwischen das Sagen im Land haben. So subtil wie geschickt erklärt die Autorin im Spiegel dieses
Mikrokosmos die Mechanismen von Hass und Gewalt – und das fatale Erbe der Kolonialherrschaft, das
den Genozid in Ruanda erst möglich machte.
(Claudia Kramatschek)

Die Verunsicherten | 01/09/2014 09:19

Was für ein Buch! Politische Analyse des libanesischen Bürgerkriegs, Nekrolog auf eine zerfallene Freundesgruppe, Versuch über das Exil, die Liebe, das Altern und die Frage, wie man in Zeiten von Krieg und
Verrat ein integres Leben führen kann. Spannend, gescheit, eindringlich weiß Amin Maalouf dies alles
in einem einzigen Roman zu vereinen.
(Karl-Markus Gauß)

Flüchtige Seelen | 01/09/2014 09:19

Als Kind gelang Janie die Flucht vor den Roten Khmer. Sie wurde von einer kanadischen Familie adoptiert.
Doch die Vergangenheit holt sie wieder ein, als in Montreal ein Kollege von ihr verschwindet. Ein
psychologisch tiefgründiger und poetisch erzählter Roman, der Gegenwart und Vergangenheit komplex
verwebt, und der fragt: Bin ich nicht mehr als die Summe meiner Erinnerungen?
(Katharina Borchardt)

Das Geräusch der Dinge beim Fallen | 01/09/2014 09:18

Bogotá im Jahr 2009. Ein Nilpferd, das aus Escobars ehemaligem Privatzoo ausgebrochen ist, stirbt. Die
Nachricht löst beim Erzähler Antonio die Erinnerung an den Mord eines Bekannten aus, den er hautnah
miterlebt hat. Seine Nachforschungen über die Gründe führen tief in die 1990er Jahre und erzählen
auf eindringliche Weise davon, wie Drogenhandel und Gewalt das Leben einer ganzen Generation
geprägt haben. Genial komponiert, packend von der ersten bis zur letzten Seite.
(Anita Djafari)

Das verborgene Leben der Pflanzen | 02/06/2014 18:51

Ein anonymer Anrufer beauftragt den Privatdetektiv Ki-Hyeon, seine eigene Mutter zu beschatten. So
kommt er furchtbaren Familiengeheimnissen auf die Spur, die bis in die Zeit der koreanischen Mili tär -
diktatur zurückreichen. Ein Roman über große Politik und kleinen Verrat und ihre jeweils verheerenden
Folgen: enorm spannend geschrieben und psychologisch komplex komponiert. (Katharina Borchardt)

Der Garten des Blinden | 02/06/2014 18:50

Oktober 2001: Zwei Brüder aus Pakistan brechen heimlich auf, um in Afghanistan gegen die
Amerikaner zu kämpfen. Aslam fragt: Wie kann man im Krieg leben und dennoch seinen Prinzipien
treu bleiben? Und was macht der Krieg mit den Menschen jener Länder, in die der Krieg transportiert
wird? Einer der besten Romane über die Zeit nach 9/11. (Claudia Kramatschek)

Americanah | 02/06/2014 18:50

Die erfolgreiche Bloggerin Ifemelu kehrt nach 13 Jahren in den USA nach Nigeria, ihre Heimat, zurück.
Dort trifft sie ihre große Jugendliebe wieder. Und sie muss herausfinden, wohin sie wirklich gehört. Ein
Roman von wunderbarer Leichtigkeit über große Themen: über Fremdheit – auch in der Heimat; über
Rassismus – auch den innerafrikanischen; über die Frage der Hautfarbe und die sozialen Verwer fungen
des gegenwärtigen Nigerias. (Claudia Kramatschek)

Betriebsferien und andere Umstände | 02/06/2014 18:50

Sie gehen sich aus dem Weg, tagaus, tagein, durch eine Mauer getrennt, aber dann eskaliert die Lage.
Mit „Betriebsferien“ hat das nichts zu tun, eher mit Nachbarschaftsmobbing und der Einsamkeit des
Intellektuellen, immer und überall. Eine Parabel, erzählt von einem Klassiker der Moderne Koreas.
Yisang, der Avantgardist, der blutjunge Literaturstar vor achtzig Jahren, ist endlich auf Deutsch zu
entdecken! (Cornelia Zetzsche)

Bagdad Marlboro | 02/06/2014 18:49

Ein Epos von Rang – Literatur comme il faut : Najem Wali verzahnt avancierte Ästhetik und Action,
Geschichte und Reflexion, Aktuelles und Historisches, Poetisches und Grimmiges. Cool und schmerzhaft
realitätstüchtig und nicht an einen bestimmten Realismus gekettet. Zwischen Bagdad und Washington
funktioniert letztendlich noch die Poesie. Utopisch vielleicht, aber immerhin. (Thomas Wörtche)

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki | 11/04/2014 19:29

Ein Freundschaftsbund von Schülern fällt auseinander. Der Fünfte im Bund, der "farblose Herr Tazaki", wird ohne Begründung ausgestoßen. Warum nur? - Die Frage macht ihn erst depressiv, dann einsam und unsicher. So unsicher, dass die Traumkraft über ihn siegt, und die Grenzen der Wahrnehmung verschwimmen. Bis er eine Frau trifft, die ihn auf eine "Pilgerreise" zu sich selbst schickt. Murakami, der Meister der Wasserfarben.
(Ruthard Stäblein)

Schweinezeiten | 08/04/2014 15:33

Ein kompaktes Delirium, das Haiti radikal beschreibt: "... eine Guillotine, die jedem seinen klaren Kopf abschlug." Organbank derer, die es sich leisten können, Kinder ausweiden zu lassen; spiritiueller Kampfplatz für Fundamentalchristen, Experimentierfeld US-amerikanischer Wirtschaftsinteressen und südamerikanischer Drogenkartelle. Suff, sich in Schweine verwandelnde Menschen und Halbwesen aus der Voodoo-Welt sorgen für die nötigen V-Effekte, die feinste Literatur ausmachen.
(Thomas Wörtche)

Mohandas | 08/04/2014 15:31

Diese geradezu klassische Geschichte weist auf die spannende Literatur in indischen Sprachen. Mit feiner Ironie und in scheinbar leichtem Ton gräbt Prakash den Friedhof um, auf dem die Herrschenden ihre Opfer begraben. Die Hauptfigur ist einer der Unzähligen, die kaum sichtbar um ihr Lebensrecht kämpfen. Eine exemplarische Geschichte von universeller Bedeutung.
(Ilja Trojanow)

Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst | 08/04/2014 15:29

Drei Teenager, drei junge Soldatinnen, reagieren auf die schwierige Realität und Gewalt ihres Landes mit Flüchen, Trotz, Wachträumen, Waffenwahnwitz, sexuellen Abenteuern und flotten Sprüchen, hinter denen sich Traumata und Einsamkeit dieser scheinbar so "coolen" Generation Israels verbergen. Das schonungslose, verstörend freche, atemberaubende Roman-Debüt einer Sechsundzwanzigjährigen.
(Cornelia Zetzsche)